Geschäftsführer der Kfz-Innung: An E-Autos führt kein Weg vorbei
Semper vivus

Als Jakob Lohner, der "Hofwagen-Fabrikant" der k.u.k.-Donaumonarchie, zusammen mit Ferdinand Porsche um das Jahr 1900 herum sein Elektroauto "semper vivus" ("stets lebendig") vorstellte, hatte er die technische Entwicklung des 21. Jahrhunderts vorweg genommen: Dem Elektroauto hatte er nämlich wegen dessen geringer Reichweite (immerhin schon 50 Kilometer) gleich einen Hybrid namens "Mixte" folgen lassen, den wir heute "Range extender" nennen würden: Der Verbrenner lud während der Fahrt die Bleiakkus auf.

Notwendige Technik

Beide Projekte verschwanden bald wieder von der Bildfläche, und fast sieht es so aus, als würde sich deren Schicksal heute wiederholen. Oder doch nicht? Tatsache ist, dass Elektroautos um so notwendiger werden, je näher das Ende von Erdgas und Erdöl kommt. Zwar sei die Stückzahl der in der Oberpfalz laufenden Elekroautos "sehr überschaubar", so Stefan Brandl, der Geschäftsführer der Kfz-Innung Oberpfalz. Andererseits führe letztlich kein Weg an ihnen vorbei, denn "irgendwas zum Reinschütten" gebe es nicht ewig.

In einer Übergangszeit wird sicher der Hybrid eine große Rolle spielen. Sein Vorteil: Er braucht nicht aufgeladen zu werden und hat gegenüber dem reinen Verbrenner einen deutlich geringeren Verbrauch. Der große Aufwand, den Hersteller wie Toyota dazu betreiben, lohnt sich aber nur, wenn der Anteil des Stadtverkehrs möglichst hoch ist, denn da nutzt der Hybrid seine E-Bremse und speist Bremsenergie in die Akkus zurück. Einfacher ist der "Mild-Hybrid", den die meisten Hersteller bevorzugen: Bei ihm werden Generator und Anlasser zu einem Aggregat zusammengefasst, das gleichzeitig an die Stelle des Drehmomentwandlers der Automatik tritt. So hilft er beim Anfahren und hilft dabei, Leistungsspitzen zu decken. Reiner Elektrobetrieb ist hier aber nur für kurze Strecken möglich.

Lifestyle-Produkt?

Stefan Brandl glaubt: "Das Elektroauto wird sich vom Lifestyle her durchsetzen". High-Tech-Elektroautos wie der BMW i8 oder der Tesla wären demnach die Vorbilder. Oder setzt sich doch die Basis durch? "Rund 90 Prozent der Pkw in privaten Haushalten in Deutschland legen weniger als 100 Kilometer am Tag zurück" weiß Gerhard Kopf vom Zentrum für erneuerbare Energien (ZEN) in Ensdorf. Für alle die reicht die Akku-Kapazität der aktuellen Elektroautos mehr als aus. Kommt noch eine eigene, solar-gespeiste Stromtankstelle dazu, lassen sich die Kraftstoffkosten fast auf Null senken. Eine interessante Mischung sind "Plug-In-Hybriden", die wie reine Elektroautos geladen werden können. Mit Tankstellen sieht es in der Region aber noch düster aus (siehe Tabelle). Wer es einrichten kann, kann dafür aber eine der (noch) kostenlosen Zapfsäulen nutzen.
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