Gesetzliche Freiräume für Ärzte schaffen

Zur laufenden Diskussion über das "Sterben auf Verlangen":

Ich finde es ungeheuerlich, wenn Ärzte bei der Diskussion in Zusammenhang mit dem "Ärztlich assistierten Suizid" auf die Euthanasieverbrechen in der Nazizeit hinweisen. Das waren Massenmorde gegen den Willen der Betroffenen. Beim Suizid (Freitod) handelt es sich jedoch um eine in Deutschland erlaubte Selbsttötung, insofern die Tatherrschaft beim erwachsenen, entscheidungsfähigen Sterbewilligen liegt. Auch die Beihilfe zum Suizid, eine Hilfeleistung zur Selbsttötung, ist nicht verboten. Dabei muss der letzte Schritt immer vom Sterbewilligen selbst vollzogen werden. Ärzten ist Beihilfe zum Suizid standesrechtlich verboten. Es ist schon absurd, wenn ärztliche Laien Menschen beim Suizid assistieren dürfen, Ärzte jedoch dafür mit Sanktionen rechnen müssen.

Wie seinerzeit bei der Abtreibung, ist die Bundesärztekammer (BÄK) auch bei der Sterbehilfe dagegen, Ärzte nach ihrem Gewissen entscheiden zu lassen. Wäre es nach dem damaligen BÄK-Präsidenten Sewering gegangen, würden Frauen noch immer bei Kurpfuschern ihr Leben riskieren. Der Grund für viele Suizide liegt darin, dass viele schmerzgeplagte Patienten nicht ausreichend palliativ behandelt werden. Manchen Patienten kann auch die Palliativmedizin nicht mehr helfen. Denen sollte beim Freitod auch ärztlich (durch Bereitstellung eines tödlichen Medikaments) geholfen werden dürfen. Wie groß die Not vieler Menschen ist, zeigt die große Zahl gewalttätiger Suizide in Deutschland, wobei immer auch Unbeteiligte traumatisiert werden: Zur Zeit erhängen oder ersticken sich jährlich über 5000 Menschen, 700 werfen sich vor Eisenbahnen oder Autos und 1000 stürzen sich von Brücken und oder aus Fenstern.

Solche schlimmen Fälle kann man nur reduzieren, wenn man Freiräume für Ärzte schafft. Selbstverständlich handelt jeder Mediziner dabei nach seinem eigenen Gewissen und keiner wird dabei zu etwas gezwungen.

Helmut Augsburger, 9224 Amberg
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