Gewerkschaften forcieren Arbeitskampf
Neue Streiks bei Eurowings

An einer Kundgebung der Kabinengewerkschaft Ufo vor dem Eurowings-Gebäude in Köln nahmen nach Gewerkschaftangaben etwa 150 Menschen teil. Beim 24-Stunden-Streik bei Eurowings und Germanwings wurden Hunderte Flüge gestrichen. Bild: dpa

Hunderte Flüge gestrichen, fast 40 000 betroffene Passagiere: Der 24-Stunden-Streik der Gewerkschaft Ufo hat Eurowings kalt erwischt. In der kommenden Woche soll der Ausstand weitergehen. Heute gibt es aber erst einmal eine neue Tarifrunde.

Köln/Düsseldorf. Ein Streik beim Billigflieger Eurowings hat am Donnerstag einen großen Teil des Flugbetriebs der Lufthansa-Tochter lahmgelegt und 40 000 Passagiere getroffen. Die Kabinengewerkschaft Ufo hatte zu einem ganztägigen Ausstand bei den Teilgesellschaften Eurowings und Germanwings aufgerufen. Laut Airline fielen nahezu alle innerdeutschen Verbindungen aus. Auch im Europa-Verkehr sollte es erhebliche Behinderungen geben.

Insgesamt wurden 393 von 551 geplanten Eurowings-Flügen gestrichen. Ufo will damit höhere Vergütungen für die Mitarbeiter erzwingen. Fast alle betroffenen Kunden seien rechtzeitig informiert worden, sagte ein Eurowings-Sprecher. Heute sollte der Flugbetrieb wieder regulär weitergehen. In der kommenden Woche müssen sich Kunden aber wieder auf Flugausfälle einstellen. Die Gewerkschaft will den Arbeitskampf dann noch einmal ausweiten und an zwei Tagen zu weiteren Streiks bei der Lufthansa-Tochter aufrufen, sagte Ufo-Vorstand Nicoley Baublies. An welchen Tagen gab die Gewerkschaft noch nicht bekannt.

Für heute ist außerdem eine Verhandlungsrunde mit der Gewerkschaft Verdi geplant, die ebenfalls einen Teil der Kabinenbeschäftigten bei Eurowings vertritt. "Wir fordern sieben Prozent - also ein Prozent pro Jahr ohne Vergütungserhöhung", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. Bei der Fluglinie habe es sieben Jahre keine Steigerung gegeben. Auch Verdi drohte mit Streiks.

Am Mittwochabend hatte Ufo das Streik-Szenario zunächst auf die größere Konzernschwester Germanwings (58 Maschinen) ausgeweitet, indem man dort die offenen Tarifgespräche zur Teilzeit bei Eurowings (23 Jets) für gescheitert erklärte. Die Lufthansa-Tochter wollte wegen des 24-Stunden-Streiks den Gang zum Arbeitsgericht prüfen. Der Streik sei unverhältnismäßig.

Baublies reagierte gelassen auf die Ankündigung. Die Arbeitsgerichte hätten ständig mit solchen einstweiligen Verfügungen zu tun, sagte er dem Südwestrundfunk: "Das machen Arbeitgeber heutzutage leider standardmäßig, statt sich inhaltlich auseinanderzusetzen." Ufo sei gut vorbereitet. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen."

Chronologie der Lufthansa-Streiks22. September 2016: Eurowings annulliert wegen eines von Verdi organisierten Warnstreiks von Kabinenbeschäftigten am Düsseldorfer Flughafen acht Flüge.

6. November 2015: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo startet einen Ausstand des Kabinenpersonals. Der Arbeitskampf über acht Tage bedeutet den längsten Streik der Lufthansa-Geschichte.

8./9. September 2015: Nachdem die Piloten die Schlichtung im Juli für gescheitert erklären, beginnt die vorerst letzte Etappe des Pilotenstreiks: 16 Stunden Ausstand auf der Langstrecke sowie tags darauf auch auf den Kurz- und Mittelstrecken. Bislang dahin fielen seit April 2014 über 8500 Flüge aus, eine Million Passagiere waren betroffen.

20./21. Oktober 2014: Ein Ausstand auf den Kurz- und Mittelstrecken wird einen Tag später auf die Langstrecken ausgeweitet. 166 000 Passagiere haben das Nachsehen.

2. bis 4. April 2014: Start einer Streikserie von 13 Runden bei den Lufthansa-Piloten. Anfangs fallen rund 3800 Flüge aus.

April 2013: Ein Warnstreik des Bodenpersonals legt den Flugverkehr der Lufthansa in Deutschland fast lahm. Der Airline zufolge sind rund 150 000 Passagiere betroffen.

September 2012: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag bei der Lufthansa. 1000 Flüge werden gestrichen, es trifft 100 000 Passagiere.

Frühjahr 2001 : Flugkapitäne der Lufthansa legen mehrmals die Arbeit nieder. Mehrere tausend Verbindungen sind betroffen. (dpa)
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