Gezieltes Hinsehen und rechtzeitiges Engagement

Zum Bericht "Ich wollte am liebsten sterben":

In dem Artikel wurde deutlich, dass in vielen Fällen von sexuellem Missbrauch im Kindesalter die Taten gar nicht oder erst nach Jahren und Jahrzehnten zur Anzeige gelangen, da die Opfer sich aus Scham oder Angst vor Drohungen nicht offenbarten. Bei nicht wenigen Fällen ist der Täter ein Familienangehöriger.

Kein Wunder also, dass die Anzeigen oft erst sehr spät erfolgen, und häufig genug ist die Tat dann strafrechtlich verjährt. Während die Opfer in vielen Fällen jahrelang ihren Vergewaltigern hilflos ausgeliefert waren und ihr Leben lang unter den Folgen (z. B. Borderline, PTBS) zu leiden haben, haben die Täter keine Folgen mehr zu befürchten. Wie dem Hintergrundbericht zum Artikel zu entnehmen war, war alleine der Verein "Dornrose" 2014 mit 107 Fällen befasst, bei denen Minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch bzw. Vergewaltigungen waren. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass auch hier etliche Fälle enthalten sind, bei denen die Tat ebenfalls verjährt war.

Dies bedeutet, dass alleine im letzten Jahr 107 Fälle bekannt wurden, bei denen immer noch nicht therapierte Sexualstraftäter in Weiden und Umgebung auf freiem Fuß sind, die mangels Verjährung und damit einhergehender Nichtverurteilung auch künftig nicht therapiert werden.

Man mag sich gar nicht ausrechnen, wie groß die Anzahl dieser - man darf ruhig sagen: Kinderschänder - tatsächlich ist, denn ich kann mir gut vorstellen, dass die Dunkelziffer dieser abscheulichen Taten immens ist. Besonders erschreckend finde ich, dass sich Leserbriefe zu allen möglichen Themen finden. Windräder, Radwege, Pkw-Maut - über alles wird in der Öffentlichkeit bis zum Umfallen diskutiert.

Zum Artikel über das Schicksal von Frau Horn habe ich bisher jedoch keinen Leserbrief gefunden. Ich würde mir wünschen, dass die Mentalität des Wegsehens endlich ein Ende findet und den Opfern dieser Taten geholfen wird. Gezieltes Hinsehen und rechtzeitiges Engagement könnten dazu beitragen, dass einige dieser Taten im Vorfeld verhindert werden oder die Täter zumindest vor Ablauf der Verjährung ihrer gerechten Strafe zugeführt werden können.

Thomas Waldenmayer 92729 Weiherhammer
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