Goldman Sachs & Co. in Parkstein

Parkstein in der Oberpfalz: ein Dorf auf einem Hügel, viel Grün. Das Schloss des alten Landrichtersitzes wurde mit zehn Millionen Euro wieder aufgebaut. Wo aber hat hier ein gefragter Investmentberater seinen Sitz? Das fragen sich immer häufiger Banker von Goldman Sachs & Co.

"Der Durchbruch kam nach einem Porträt in der Financial Times", lacht Robert Beer auf der Terrasse seines auffälligen roten Neubaus mit Blick auf den Basaltkegel, Wahrzeichen des 2200-Einwohner-Marktes. "Plötzlich kamen Leute aus Frankfurt zu mir. Citywire aus London wurde auf uns aufmerksam, die haben zögerlich bei mir nachgefragt: ,Wo liegt jetzt die Oberpfalz nochmal genau?'"

London, die europäische Hauptstadt der Finanzmärkte, New York, Tokyo, Shanghai, vielleicht noch Frankfurt. Aber was macht ein Fondsexperte in Parkstein? "Ich möchte, dass meine Kinder hier aufwachsen", sagt der gebürtige Parksteiner schlicht. Das Lions-Mitglied hat in München Bauingenieurswesen an der TU studiert. "Da war ich elterlich vorbelastet", sagt der Vater dreier Kinder. "Mein Vater war Stuckateur am Bau." Das Interesse für die Börse entwickelt er während des Studiums - er experimentierte mit Aktien. "Meine guten und schlechte Erfahrungen habe ich in sechs Büchern verarbeitet."

Beer testet Anlagestrategien, entwickelt eine Finanzsoftware für Privatinvestoren und Banken, schult als Selbstständiger die Berater einer Deutschen Großbank im Derivatebereich in Frankfurt: "Die Kurse haben 600 Leute durchgelaufen", ist er stolz, dass seine Ideen ganz oben eingespeist wurden. Anschließend verdiente Beer sein Geld mit der Vermögensverwaltung für private Investoren. "Vor 17 Jahren begann ich, eigene Fonds zu managen."

LuxTopic-Fonds

Wie macht man so was? "Zunächst braucht man eine Idee", erklärt der Geldvermehrer, "dann kann man, wie in meinem Fall, bei der Gesellschaft DJE einen Fonds auflegen." Zwei Aufgaben hat der Manager: Das anvertraute Geld zu verwalten und das Aktien-Depot nach bestimmten Grundsätzen managen. Investoren seines "LuxTopic - Aktien Europa"-Fonds sind hauptsächlich gehobene Kunden von Banken, Versicherungen und Pensionseinrichtungen, aber auch Privatanleger.

Und dazu braucht man eben keinen Sitz in der Wall-Street, sondern lediglich einen famosen Ruf: "Ich lebe genau hier, weil ich nicht dem Mainstream ausgesetzt sein will." Robert Beers Investment GmbH gewann zweimal den Lipper-Fonds-Award, den Preis der größten Fonds-Ratinggesellschaft der Welt. 2009 und 2010 als bester Fonds für europäische Blue Chips. "In diesem Segment gibt es etwa 400 Konkurrenten", freut sich der Finanzstratege. "Bewertet wird das Ergebnis in Abhängigkeit vom Risiko der Anlage."

Wie funktioniert Beers "Best of Euro-Stoxx 50"-Modell? "Ich schaue mir die Gewinne an. Für mich ist wichtig, dass die 50 Euro-Stoxx-Unternehmen im Jahr 100 bis 200 Milliarden Euro verdienen." Wenn man sich am Index orientiere, wird man es auch in zehn Jahren noch mit ertragreichen Unternehmen zu tun haben. "Ich habe keine Ahnung, ob Facebook in zehn Jahren nichts oder das Zehnfache Wert ist. Ich beschäftige mich mit der Kategorie der europäischen Großunternehmen." Da kennt er sich aus. "Man kann sein Geld nicht vervielfachen, aber acht Prozent erwirtschaften, das ist möglich."

Mathematisches Modell

Beer hat ein System mit 35 Werten kreiert, das auf einem mathematischen Modell basiert. "Wir suchen aus, welche Werte über zehn Jahre tendenziell stärker performen. Das ist keine Zauberei, sondern basiert schlicht auf der Beobachtung der Kursentwicklung." So könne man messen, wann die Nokia-Aktie zur Schwäche neige, auch ohne zu wissen, dass der einstmalige Handy-Riese den Smartphones von Apple & Co noch immer unterlegen ist.

Für viele Deutsche war die Telekom-Aktie der Einstieg ins Börsengeschäft. Wir haben den Einbruch vieler Flagschiff-Fonds großer Gesellschaften erlebt, den Crash des neuen Marktes, geplatzte Internet- und Immo-Blasen und neue Hypes um Werte, deren Substanz nur schwer einzuschätzen ist: Apple, Facebook, Google. Wundert es Beer da, dass die Deutschen skeptisch bleiben? "Ich bin ein Streiter für die Unternehmensbeteiligung", sagt der Risikominimierer. "Investieren statt spekulieren, lautet die Devise, dann kann man so gut wie nie Geld verlieren."

Zwischen 1991 und 2014 hätten sich die Unternehmenskurse im Euro-Stoxx versechsfacht. Verluste entstünden durch falsches Anlageverhalten: "2000 entfernten sich die Kurse heillos von der reellen Bewertung, gerade da kauften die Leute Aktien. Alle anderen Konsumgüter werden gekauft, wenn sie billig sind, nicht so bei Aktien." Nach dem Crash sei alles auf einen normalen Wert zurückgegangen. "Hätten Sie durchgehalten, so hätten sie sogar einen Gewinn eingefahren."

Hollywoods Wallstreet mit Michael Douglas prägte das Negativimage des Brokers: Doch man muss nicht nach Hollywood blicken, es reicht die Prozesse wegen falscher Anlageberatung hierzulande zu verfolgen. Verkauft wird, was Ertrag bringt. "Für meine Finanzen brauche ich eine vertrauenswürdige Person", sagt Beer. "Es gibt Anlage- und Bankberater, die im Kundeninteresse nicht nur hauseigene Produkte handeln.

Gibt es politisch und ökologisch korrekte Anlagen, die weder Mensch noch Umwelt ausbeuten - oder ist das eine Illusion? "Ich glaube, das ist Augenwischerei", meint Beer. "Gut, in Firmen die Rauschgift herstellen, würde ich nicht investieren. Aber kann ich beurteilen, ob eine Firma auch an Rüstungsgütern verdient? Wie sieht es mit BASF aus oder mit Siemens? Wo soll man die Grenze ziehen - ist Bayer ökologisch korrekt?" Die Firmen würden von den Gesetzen kontrolliert. "Ich würde aber sagen, wir sollten nicht Ertrag um jeden Preis erzielen."
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