Grafenwöhr versinkt im Dornröschenschlaf
Brief an die Redaktion

Bald soll es soweit sein: Die Stadtverwaltung zieht aus dem Alten Rathaus und den Altstadthäusern aus hinaus ins ehemalige Bürogebäude der Baufirma Bilfinger & Berger. Aufgrund dieses Beschlusses hat die Regierung der Oberpfalz die Städtebaufördermittel gestrichen. Die Begründung: Von einer Belebung der Altstand kann kein Rede mehr sein.

Ein Grafenwöhr, der vor rund drei Jahrzehnten in die Fremde zog, in Schwerin am Kultusministerium arbeitet und immer noch regelmäßig in die Heimat kommt, schreibt dazu:

"Es war einmal ...

Niemand wird behaupten, dass Grafenwöhr jemals die pulsierende Metropole der nördlichen Oberpfalz gewesen ist. Mancher wird aber zustimmen, dass in der historischen Altstadt rund um das Rathaus schon einmal mehr los gewesen ist. Das hängt sicherlich mit der Schließung einiger Geschäfte zusammen. Aber muss bei dieser Ausgangslage dann auch noch das Rathaus dicht gemacht werden?

Einstimmig soll der Beschluss der Stadträte gewesen sein, ein neues Rathaus für viel Geld weit draußen zu errichten. Mit viel Geld, auf das andere Gemeinden sehnsüchtig warten (siehe Neuer Tag, Ausgabe vom 6. Oktober zur Situation der Gemeinde Tännesberg, die ihren Ortskern neu beleben möchte), ist die Altstadt bisher umfangreich saniert worden. Umso verwunderlicher ist der Beschluss der Stadträte. Zugegeben, ein paar Verwaltungsangestellte mehr oder weniger mitten in der Stadt küssen die Altstadt auch nicht wach. Der geplante Umzug ist jedoch das absolut falsche Signal. Und wenn es dann tatsächlich so sein muss, warum hat uns Bürgern das niemand erklärt?

Es drängt sich der Verdacht auf, dass das mit der Erklärung wohl etwas schwierig geworden wäre. Also lässt man es lieber. Da steht es also, unser altehrwürdiges Rathaus, und vielleicht geht schon bald keiner mehr hin. Die Stadt könnte zum Abschied jedem Anwohner ein Rosengitter schenken, sozusagen zur Vorbereitung des Dornröschenschlafs. Ich befürchte, das Geld hierfür ist längst verplant - für das neue Rathaus weit draußen. Ein Jammer!"

Hermann Daubenmerkl, Grafenwöhr, Marienplatz 4, bzw. 19069 Rugensee, Mecklenburg-Vorpommern.

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