Grauer Dunst in Peking
Smog alarmiert Eltern und Kinder

Mit Atemmasken versuchen sich die Pekinger vor Smog zu schützen. Wegen der hohen Luftverschmutzung hat China in seiner Hauptstadt erstmals "Alarmstufe Rot" ausgelöst. Die Hälfte der Autos in der Stadt darf nicht fahren. Schulen blieben geschlossen. Bild: AFP

Pekings Schüler haben "smogfrei". Aber niemand freut sich. Eltern müssen eine Betreuung organisieren, Kinder fürchten die verdreckte Luft. Hoffnung verspricht allein der Wind - aber erst in drei Tagen.

Peking. Über soziale Medien wie das in China beliebte WeChat wurden die Eltern am Abend informiert: "Smogfrei", heißt es seit Dienstag für alle Kinder in Peking. Erstmals in der Geschichte der chinesischen Hauptstadt verhängen die Behörden wegen der hohen Luftbelastung für drei Tage die "Alarmstufe Rot". "95 Prozent der Eltern verstehen die Entscheidung, aber 5 Prozent waren sehr verärgert", erzählt Kindergartenleiterin Laura Liu. "Sie haben niemanden, der sich zu Hause um die Kinder kümmern kann." In Einzelfällen könnten Kinder trotzdem kommen.

Kinder stärker gefährdet


Der Smog besorgt Eltern und Kinder. Nicht nur, dass die Berufstätigkeit wenig Flexibilität zulässt. Auch sind gerade Kinder gesundheitlich gefährdet. "Ich muss zur Arbeit und mein Mann geht heute auf Geschäftsreise", sagt die 35-jährige Frau Yin. Ihre Mutter machte sich sogar von der zentralchinesischen Provinz Hunan auf den weiten Weg nach Peking, um auf Enkel (7) aufzupassen. "Ich unterstütze trotzdem die Alarmstufe Rot", sagt Frau Yin. "Ich mache mir große Sorgen um unsere Gesundheit, insbesondere um die unseres Kindes." Wie schützt sie sich gegen Smog? "Wir lassen Luftfilter laufen, gehen nicht vor die Tür und wenn doch, tragen wir Atemschutzmasken." Auch koche sie gesund, orientiere sich dabei an der chinesischen Heilkunde. Mit Luftfiltern, die umgerechnet bis zu 1700 Euro kosten, schützen sich viele der 22 Millionen Pekinger. Das Geschäft boomt.

Aber auch Luftfilter bringen die Schadstoffwerte in Innenräumen nur schwerlich unter die Grenzwerte. Wer kann, arbeitet von zu Hause aus. Wie der 36-jährige IT-Ingenieur Li. Er lässt auch sonst schon seinen viereinhalbjährigen Sohn bei schlechter Luft daheim. Doch der langweilt sich. "Ich will in den Kindergarten und mit meinen Freunden spielen", sagt Hanbaobao. "Nur der Wind kann den Smog wegblasen", sagt der kleine Junge, was vielen Pekingern angesichts der Untätigkeit der Behörden auch als letzte Rettung vorkommt.

Langwierige Aufgabe


Sein Vater fordert die Behörden zum energischen Handeln auf. "Es reicht nicht, einfach eine Warnung auszurufen und dann nichts zu tun." Die Luftverschmutzung habe mit mächtigen Interessengruppen zu tun. "Wenn wirklich gegen den Smog vorgegangen wird, wird es den Gewinnen einiger Leute schaden." Deswegen bleibe es eine langwierige Aufgabe. Kindergartenleiterin Liu findet es dennoch gut, dass jetzt die höchste Alarmstufe verhängt worden ist, obwohl frühere Rekordwerte noch nicht erreicht wurden. "Ich denke, dass das Bewusstsein wirklich besser wird."

Gefährliche Schadstoffe in der LuftBei Smog erreichen Luftschadstoffe über besiedelten Gebieten stark erhöhte Konzentrationen. Das Kunstwort entstand aus der Verbindung der englischen Begriffe Smoke (Rauch) und Fog (Nebel). Sommersmog (Los-Angeles-Smog) entsteht durch chemische Reaktionen bestimmter Schadstoffe unter Einwirkung von Licht und Wärme und enthält viel Ozon. Wintersmog (London-Smog) hingegen geht oft auf eine bestimmte Wetterlage zurück: Eine wärmere Luftschicht schiebt sich über kalte Bodenluft. Es bildet sich eine Grenzschicht, die den Abzug der Mischung aus Ruß, Schwefeldioxid, Staub und Nebel verhindert. In Westdeutschland wurde der letzte Smog-Alarm 1987 ausgerufen, in Ostdeutschland 1993. (dpa)
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