Großbrand bei Wiesenhof in Lohne
Schlachtbetrieb in Ruinen

Ein Großfeuer in einer Produktionshalle des Geflügelproduzenten Wiesenhof hat einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht. Bild: dpa

Der Geflügelproduzent Wiesenhof in Lohne liegt in Schutt und Asche. Der Großbrand ist Tagesthema, am Tag danach sind viele Fragen offen. Wie geht es weiter mit dem Schlachtbetrieb?

Lohne. Beißender Geruch liegt über dem Wiesenhof-Firmengelände, von der Hitze verbogene Stahlträger ragen in den Himmel. Bagger ziehen nach dem Großbrand vom Ostersonntag Teile der zusammengebrochenen Blechverkleidungen auseinander. Der Mitteltrakt der miteinander verbundenen Hallen in Lohne besteht nur noch aus Trümmern - er ist zusammengebrochen. An vielen der Häuser nahe des umzäunten Geländes bleiben die Rollläden am Tag danach unten, Fetzen von Verbranntem liegen in Vorgärten. Immer wieder kommen Schaulustige. "Wahnsinn", sagt ein Lohner, der durch den Zaun auf den dunklen, stinkenden Schlund einer verkohlten Halle blickt. "Wie schlimm für die vielen Leute, die da sonst arbeiten", sagt seine Frau. Der Brand ist Tagesthema im Ort, in dem Wiesenhof zu den größten Arbeitgebern zählt.

Gefahr durch Verpuffungen


"Das ist ein großer Schock für die Stadt Lohne", sagt Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU). Er saß beim österlichen Essen, als die Sirenen heulten. Dann zog dichter Qualm durch die Stadt. Die beste Nachricht sei, das niemand ernsthaft zu Schaden gekommen sei, sagt Gerdesmeyer. "Ich bin vor Ort gewesen, habe auch die Verpuffungen gehört und Angst um die Feuerwehrkräfte gehabt." Die Wehren aus der Region hätten eine tolle Arbeit geleistet. "Wir hatten Glück", sagt Hubert Schulting, der in einer großen Wohnsiedlung südöstlich von Wiesenhof wohnt. Die Qualmwolke wurde vom Wind in eine andere Richtung getrieben.

Ihn traf der Schreck am Montagmittag: Beim Blick aus dem Küchenfenster sah er nur wenige Hundert Meter entfernt dicke, schwarze Wolken über die Dächer ziehen. "Die Regenwolken haben sie wie ein Deckel unten gehalten." Vier Explosionen will er gehört haben - "Gasflaschen vielleicht" - und dann immer neue Feuerwehrsirenen.

Produktion nicht möglich


Auf unabsehbare Zeit werden dort keine Hähnchen geschlachtet werden können. Schlachtreife Tiere werden zu anderen Standorten gebracht. Engpässe in der Versorgung mit Hähnchenfleisch werde es nicht geben. Laut Wiesenhof arbeiten 1200 Mitarbeiter in Lohne. Einem Teil wird gekündigt. Für sie soll ein Sozialplan erstellt werden, teilte Wiesenhof nach einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag mit. Andere werden vorübergehend an anderen Standorten eingesetzt. Wiesenhof will bereits in den nächsten Tagen mit den Planungen für den Wiederaufbau beginnen.
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