Große Beleidigung
Empörung über den Ausdruck "Herdprämie"

Es wird verschwiegen, dass die Betreuung der Kinder von 1 bis 3 Jahren in einer Kinderkrippe, je nach Stadt und Einrichtung, etwa 800 Euro im Monat kostet. Dass der Betrag von 150 Euro, der den Eltern zusteht, die die Betreuung ihrer Kleinkinder selbst übernehmen, sehr viel geringer ist, als wenn sie diese Einrichtungen in Anspruch nehmen würden, wird nicht erwähnt. Es wird sogar der Eindruck erweckt, dass die professionelle Betreuung der Kinder grundsätzlich einer Betreuung durch die Mutter oder Vater vorzuziehen sei. Dies ist eine große Beleidigung gegenüber den Eltern, die ihrem Kind eine liebevolle und individuelle Betreuung schenken.

Christian Gunreben, 92224 Amberg

Aus Überzeugung, nicht wegen 150 Euro

In den vergangenen fünf Jahren konnte ich mir aufgrund meiner Ausbildungen zum Sterbebegleiter, zum Seniorenbetreuer und zum Kinderbetreuer ein Bild davon machen, wie in unserer "Wertegemeinschaft" umgegangen wird mit Alten, Kindern und mit denen, die vor Ort arbeiten. Es gibt nicht genug ausgebildete Menschen, um Sterbende zu begleiten, um alte und kranke Menschen zu versorgen, es gibt nicht genug Personal in den Kinderbetreuungen. Große Teile dieser sozialen Leistung haben unsere Mütter und Großmütter in der Vergangenheit ganz ohne Würdigung oder finanziellen Ausgleich erbracht. Gesetze und Verordnungen schaffen niemanden, der in diesem Beruf arbeiten will und kann. Soziales Verhalten lernt man nicht nur in der Kinderkrippe, sondern schon untereinander in der Familie. Dabei habe ich durchaus auch Verständnis für kritische Stimmen zum Betreuungsgeld. Natürlich ist auch mir bewusst, dass das Betreuungsgeld in manchen Familien nicht zum Wohle der Kinder allein verwendet wird. Aber darf man aufgrund dieser Tatsache so einseitig die Eltern diskriminieren, die sich für die Familie und die Kindererziehung entschieden haben, indem man sie als Heimchen am Herd bezeichnet? Diese Eltern erziehen ihre Kinder sicherlich nicht wegen der 150 Euro selbst, sondern aus Überzeugung.

Reinhold Kindl, 92665 Altenstadt

Unsägliches Wort

Da ist es wieder, das unsägliche Wort von der "Herdprämie". Dass sich unisono SPD-Leute und ihnen Nahestehende hämisch bzw. zustimmend über dieses Urteil äußern, zeigt, welches Familienbild hier vorherrscht. 455 000 Eltern, die momentan Betreuungsgeld in Anspruch nehmen, werden damit als "ewig gestrig" diffamiert. Auch wird diesen Eltern unterschwellig immer wieder unterstellt, ihre unter Dreijährigen von professionellem Bildungsangebot fernzuhalten. Zählt hier eigentlich jeder nach seiner Einstellung oder Möglichkeit, oder zählt hier ausschließlich die Kita für alle, wie es auch schon formuliert wurde?

Ich finde es traurig, dass wieder Stimmung auf Kosten der Eltern gemacht wird, die für ihre Kinder nach Möglichkeit bis zum dritten Lebensjahr selbst sorgen möchten und dafür eine kleine Unterstützung vom Staat erhalten.

Maria Schnurrer, 92637 Weiden

Schlag ins Gesicht

Ich sehe ein, dass es ein Thema ist, das polarisiert. Ich verstehe, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts Kritik rechtfertigt und die betroffenen Eltern verunsichert. Aber: Ich persönlich bin heilfroh und dankbar für die sogenannte Herdprämie. Als Mutter von zwei kleinen Kindern (2 und 4 Jahre alt) und Tanzlehrerin sind die Kita-Öffnungszeiten keine Hilfe für mich, um meinen Beruf ausüben zu können. Für mich ist das Betreuungsgeld keine "Herdprämie" - im Gegenteil. Es erleichtert es mir, die Betreuung meiner Kinder nach unseren individuellen Bedürfnissen zu organisieren und ermöglicht es mir zumindest teilweise, meinen Beruf weiter ausüben zu können!

Lesen zu müssen, dass gerade bei immer flexibleren Arbeitszeiten das Betreuungsgeld weit "von der Lebenswirklichkeit entfernt" ist (Jutta Deml) oder angesichts von 450 000 Beziehern des Elterngeldes "an der Lebenswirklichkeit vorbeiführt" (Thomas Beyer, AWO) macht mich extrem wütend, und die Behauptung von Hans Sterr von Verdi, "die Herdprämie halte ausgerechnet die Kinder vom professionellen Bildungsangebot der Kindertagesstätten fern, die es am nötigsten brauchen", ist für mich und viele Mütter und Väter, die das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen, ein Schlag ins Gesicht!

Kathrin Fischer, 92224 Amberg
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