Große Pflegeserie des Medienhauses "Der neue Tag"
Gepflegt altern im böhmischen Dorf

Planen das ideale Muster-Seniorendorf auf der grünen Wiese im westböhmischen ZŽihle: Unternehmerpaar Monika und Josef Kalous. "53 kleine Bungalows im Grünen mit einem Gemeinschaftsgebäude auf einem Grundstück von rund 11000 Quadratmetern", erklärt Josef das Projekt. Die Hälfte der Reservierungen kommt aus Deutschland. Bilder: Herda (3)
 
Bürgermeister Frantisek Procházka ist von der Idee des Paares angetan.

Die Idee kam Monika Kalous bei der Suche eines Pflegeplatzes für die Eltern: "Es war nichts dabei, wo ich sie mit gutem Gewissen hätte lassen können", sagt die Geschäftsfrau aus Teplice. Zusammen mit ihrem Mann Josef plant sie nun ein Pflege-Musterressort in Žihle nahe Pilsen.

Žihle. Besichtigen kann man in dem westböhmischen Dorf Žihle mit seinen 1411 Einwohnern, den drei Supermärkten, zwei Gaststätten, einem Golfplatz und einer Art Volkshochschule bisher nur ein Feld mit Aussicht auf ein Wäldchen. Und dennoch haben Monika und Josef Kalous, die böhmischen Pflegedorf-Gründer, schon jetzt mehr Anfragen als Wohnungen.

Es mag an der Begeisterungsfähigkeit liegen, dass das Unternehmerpaar allein mit den Plänen positive Fantasien bei den künftigen Bewohnern auslöst - aber auch mit einer verbreiteten Unzufriedenheit mit dem deutschen Preis-Leistungs-Verhältnis: "Die Anmeldungen kommen zur Hälfte aus ganz Deutschland", sagt Monika Kalous. "Sie suchen einen Alterssitz, in dem sie sich wohlfühlen, aber bei dem auch etwas von der Rente übrigbleibt."

Eine Preisliste informiert, was die Gäste je nach Gesundheitszustand modular investieren müssen:

Die Unterkunft in dem kleineren Reihenhäuschen etwa - es stehen zwei Modelle mit 33 und 45 Quadratmetern Wohnfläche und 10 oder 30 Quadratmetern Grünfläche zur Auswahl - kostet 270 Euro

Dazu kommen Nebenkosten in Höhe von etwa 90 Euro,

eine Mitgliedsgebühr für Gemeinschaftsaufgaben von 35 Euro.

Mit rund 400 Euro ist damit das Wohnen im Pflege-Kollektiv gesichert. Noch nicht eingerechnet sind die Stundenpauschalen für den Pflegedienst - Kalous zufolge der beste in der ganzen Republik: "63 Pfleger, die meisten mit ausgezeichneten Deutsch-Kenntnissen, bieten vom Mittagessen bis zur 24-Stunden-Pflege einen Rundumservice." "Ausgewogene Kost" mit erstem und zweitem Frühstück, Mittagessen, Zwischenmahlzeit und Abendessen koste mit Zustellung 15 Euro. Unterstützung und Betreuung von der Haushaltshilfe bis zum Ausziehen schlage mit 5 Euro pro Stunde zu Buche.

Kalous verschweigt aber auch nicht, dass die geplante Anlage für Schwerstkranke weniger geeignet ist: "Schwierig wird es, wenn jemand täglich ärztliche Hilfe braucht." Zwar gebe es Ärzte vor Ort, aber für den Ernstfall muss man ins Krankenhaus nach Pilsen - 35 Minuten muss man auf der Landstraße für die 35 Kilometer einplanen. Positiv: "Die Kosten werden von der deutschen Krankenkasse voll übernommen."

"Wir hatten uns zuvor alle möglichen Angebote in Tschechien und Deutschland angeschaut", sagt die studierte Sozialarbeiterin. "Aber so möchte ich meinen Lebensabend nicht verbringen - in einem Heim, das wie ein Krankenhaus wirkt." Elektroingenieur Josef Kalous, der schon andere Bauprojekte mit betreute, entwarf eine erste Skizze, wie die beiden sich ein Leben in Würde vorstellen: "53 kleine Bungalows im Grünen mit einem Gemeinschaftsgebäude auf einem Grundstück von rund 11 000 Quadratmetern."

Bürgermeister begeistert


Die Architektin überträgt die Idee in den Plan, die Baugenehmigung läuft, in einem Jahr soll die Anlage bezugsfertig sein. Bürgermeister Frantisek Procházka freut sich über die Initiative des Paares: "Das ist eine gute Sache, die neue Leute zu uns bringt", sagt der parteilose Rathauschef zu unserer Zeitung. Bedenken, dass der Zuzug einer ganzen Gruppe deutscher Senioren die Bevölkerung überfordern könnte, hat er nicht. "Wir freuen uns über neue Bürger, die bei uns einkaufen", sagt er.

Erst kürzlich hätten hier Deutsche einen großen Hof gekauft: "Davon profitiert doch der ganze Ort." Um Neubürger anzuziehen, weist die Gemeinde neue Baugrundstücke aus und investiert auch ins schnelle Internet. "Hier gibt es vor allem viel Natur, aber eben auch den Standard, den sich Leute heute einfach wünschen."

Dass sich auch Deutsche in Žihle (sprich: Schiele mit stimmhaften sch wie in Journalist) "dahoam" fühlen können, davon ist der Bürgermeister überzeugt: "Wir haben noch ein richtiges Dorfwirtshaus, U Kiliana (Beim Kilian), einen super Sportplatz und eine lebendige Kulturszene - da gibt's an jedem Wochenende ein Programm." Dazu kämen nahe touristische Ziele wie die kleinste Stadt des Landes, Rabstejn nad Strelou, gleich neben Manetín mit dem beeindruckenden Renaissanceschloss. Pilsen (35 Kilometer), Karlsbad (45) und auch Prag (92) seien nicht weit.

"Und jeden 8. Mai feiern wir ein Wochenende lang ein Volksfest zur Feier des Weltkriegsendes." Was für eine schöne Wende, wenn die Deutschen dabei mitfeiern.
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