Gute Geste der Versöhnung

Zum Bericht "Munition lässt Gewalt explodieren":

Kurz nach Kriegsende, als das Massaker von Aussig geschah, war ich in dieser Region beheimatet. Ich kann mich noch erinnern, als dieses Gespräch die Runde machte. Die Dorfleute, die damals nach Decin zur Arbeit gingen, brachten diese Nachricht mit nach Hause. Damals gab es ja keine Pressemeldungen von den Deutschen. Und der Kampf gegen die deutsche Bevölkerung ging nach Kriegsende erst los.

Die weiße Armbinde, die jeder Deutsche am linken Arm tragen musste, war unser Kennzeichen. Ich musste als 16-jähriger mit ansehen, wie man Jagd auf Menschen machte, nur weil sie Deutsche waren und niemandem etwas getan hatten. Da kamen "Revolutionsgarden", wie es in dem Bericht in NT/AZ heißt, aus der Stadt und überfielen gezielt Häuser. Die Leute wurden hinausgejagt, und wenn sie sich dem widersetzten, gab es Prügel und die Häuser wurden geplündert. So sah die Nachkriegszeit im Sudetenland aus. Erinnerungen, die man nie vergessen kann.

Über 40 Jahre regierte dieses Regime, bis man nach Fall des Eisernen Vorhangs auf den Gedanken kam, man könnte sich doch in die westliche Welt einschmeicheln. Wenn unsere Volksvertreter jetzt dorthin reisen, um die Mörderbrücke von Aussig - die ich selbst schon befahren habe - zu betreten, so ist das eine gute Geste zur Versöhnung. Ob sie jemals ganz gelingen wird? Horst Weigel, Wernberg-Köblitz
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