Handwerksberufe bergen große Chancen - Kreishandwerkerschaft will Imageproblem beseitigen
Enormes Potenzial für die Zukunft

Das Handwerk sucht händeringend Nachwuchskräfte. Doch vielen Schülern steht der Sinn eher nach anderen Berufssparten. Christa Neubauer-Kreutzer will aber dennoch nicht klagen. Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz sieht in Handwerksberufen enormes Potenzial für die Zukunft. Dies müsse man den Jugendlichen und vor allem auch deren Eltern deutlich vermitteln und sichtbar machen.

Frau Neubauer-Kreutzer, was bewegt Jugendliche ihrer Meinung nach dazu, lieber täglich ins Büro zu gehen anstatt Brot zu backen, Wurst herzustellen oder Häuser zu bauen?

Christa Neubauer-Kreutzer : Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: "Wer entscheidet mit bei der Berufswahl der Kinder - die Eltern". Das Ganze ist ein Imageproblem: Die meisten Eltern wollen, dass ihr Kind Abitur macht und studiert - ohne dabei oft das eigentliche Talent ihrer Kinder wahrzunehmen. Daraus ergibt sich die Situation, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen den Hochschulzugang erwerben und studieren.

Sowohl Eltern und Kinder wissen meist zu wenig über das Handwerk - welche Berufe überhaupt möglich sind, welche Zukunft das Handwerk überhaupt bietet. Stellen Sie sich vor: 10 000 Unternehmer suchen in den nächsten zehn Jahren einen Nachfolger. Junge Handwerker könnten hier Unternehmen in ihrer ganzen Verantwortung weiterführen.

Wann hat diese Entwicklung begonnen?

Neubauer-Kreutzer : Es sind meiner Meinung nach zwei Prozesse, die dazu geführt haben. Zum einen der demografische Wandel. Den können wir jedoch nicht beeinflussen. Zum anderen gab es Anfang 2000 die Pisa-Studie und die OECD-Studie. Aufgrund dieser Studien hat ein politisches und gesellschaftliches Umdenken stattgefunden. Schulische Ausbildung und Studium sind in den Fokus der Gesellschaft gerückt.

Übrigens wurde bei späteren Studien nicht berücksichtigt, dass Deutschland durch das duale Ausbildungssystem die Meisterprüfung hat und der Meister dem Bachelor gleichgestellt ist.

Hat man in irgendeiner Art und Weise versäumt, dem entgegenzuwirken?

Neubauer-Kreutzer : Wahrscheinlich hätte man bereits damals aufzeigen müssen, was das Handwerk leistet. Und der ganzen Entwicklung entgegentreten müssen, was wir heute auch machen. Doch wer konnte das absehen?

Wie kann man den Jugendlichen Handwerksberufe wieder schmackhaft machen?

Neubauer-Kreutzer : Was Eltern und ihre Kinder nicht kennen oder wahrnehmen, können sie auch nicht wählen. Unsere Aufgabe ist es, die Ausbildungsberufe, die Möglichkeiten und die Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Wir gehen dazu in Schulen, wir zeigen den jungen Menschen auf, welche Möglichkeiten vor ihnen liegen könnten, wir sind auf Ausbildungsmessen, machen das Handwerk sichtbar und wollen das Interesse wecken.
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