Hessische Polizei analysiert gefährdete Gebiete
Computer jagt Einbrecher

Eine neue Prognose-Software soll gefährdete Viertel bestimmen und so Einbrüche verhindern. Bild: dpa

Große Punkte auf einer virtuellen Landkarte zeigen der hessischen Polizei, wohin sie ihre Beamten im Kampf gegen Einbrecherbanden schicken sollte. Ein Testlauf in vier Regionen hat positive Ergebnisse gebracht. Aber nicht überall.

Wiesbaden. Die Einbrecher sind noch am Werk, als der Wohnungsinhaber die Tür öffnet. Die Kriminellen springen aus dem Fenster und verstecken sich im Gebüsch. Doch vergebens: Ein Hubschrauber ortet sie mit einer Wärmebildkamera, eine Polizeistreife nimmt sie fest. Der Idealfall für die Polizei, so geschehen am 29. Oktober 2015 in Bad Soden. Zu verdanken ist dies einem Computerprogramm, das das Landeskriminalamt im Kampf gegen Einbrecher getestet hat - erfolgreich, wie Innenminister Peter Beuth (CDU) sagt.

Bisher setzt die Polizei neben der Strafverfolgung vor allem auf Prävention, wenn es darum geht, die Einbruchszahlen zu senken. Wohnungs- und Hausbesitzer werden über Sicherheitstechnik aufgeklärt und Nachbarn zur Wachsamkeit aufgefordert. Aber die Zahlen steigen.

Vor allem organisierte Tätergruppen aus Osteuropa ließen sie zuletzt bundesweit auf den höchsten Stand seit der Jahrtausendwende schnellen. 167 136 Fälle wurden 2015 registriert - fast zehn Prozent mehr als 2014. Aufgeklärt wird nur jeder siebte Fall.

Die am Mittwoch in Wiesbaden vorgestellte Software soll vorhersagen, an welchen Orten die Wahrscheinlichkeit von Einbrüchen besonders hoch ist. Dazu wird sie laufend mit den Daten von früheren Taten gefüttert - sechs Jahre gehen die Zahlenreihen zurück. Dem System liegt die Erfahrung zugrunde, dass gerade professionelle Einbrecherbanden nach einem wiederkehrenden Muster vorgehen.

Schwerpunkte setzen


Acht Wochen lang entschieden die Ermittler im Winter morgens aufgrund der Datenauswertung in vier Testregionen, wo zusätzliche Kontrollen nötig sind, weil Banden unterwegs sein könnten. Das Programm zeigt auf der Karte Schwerpunktgebiete an. Dorthin wurden Streifen entsandt, um abzuschrecken oder im Ernstfall einen schnellen Zugriff zu gewährleisten. So wie in Bad Soden.

Das sogenannte "Predictive Policing" ist auch in anderen Bundesländern im Einsatz. Unter anderem in Baden-Württemberg wurde ein Programm namens "Precobs" getestet. Die Ergebnisse sollen nach der Sommerpause vorliegen, wie das dortige Innenministerium mitteilt. Hessen wollte ein eigenes Programm. Das Prinzip sei aber überall gleich, sagt LKA-Chefin Sabine Thurau.

Die Einbruchszahlen in den Testregionen sind tatsächlich gesunken, um 14 Prozent. Doch "Kommissar Computer" war nicht überall erfolgreich: Im Main-Taunus-Kreis etwa habe es eine Zunahme gegeben, sagt der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller. Hat das Programm versagt? In der Landeshauptstadt sei dagegen weniger eingebrochen worden, sagt Müller.

Das Land hält an der Software fest, will sie weiterentwickeln und plant die Ausweitung ihres Einsatzes. Lohnenswert sei dies allerdings nur in Gebieten, in denen auch viele Einbrüche begangen werden, sagt LKA-Präsidentin Thurau. Und zu Zeiten, in denen die Täter besonders häufig zuschlagen: im Winter und in Siedlungen mit Einfamilienhäusern beispielsweise. In Großstädten wie Frankfurt müssten andere Maßnahmen greifen. Denn einige Polizeistreifen mehr bedeuten dort keine wirkliche Abschreckung.
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