Hetze gegen EM-Sonderedition der Kinderschokolade
Boateng als Milchbubi

Die Kinderschokolade-Packung, auf der ein Jugendfoto von Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng (links) zu sehen ist, sorgt für Wirbel. Bild: dpa

Der kleine Jérôme auf der Kinderschokolade: Eine Sonderedition des Süßigkeiten-Klassikers zur EM sorgt im Netz für Aufregung. Doch selbst die Pegida-Führung will mit der Hetze gegen Migranten nichts zu tun haben. Die katholische Kirche bringt sogar den Papst in Stellung.

Berlin. Helle Haut, blaue Augen, strahlend weiße Zähne: Seit Jahrzehnten wirbt Kinderschokolade mit einem lächelnden Jungen auf der Packung. Eine gefühlt typisch deutsche Süßigkeit. Kurz vor der Fußball-Europameisterschaft sorgt eine Sonderedition des Herstellers Ferrero für Wirbel in den sozialen Netzwerken. Auslöser sind Jugendfotos deutscher Nationalspieler auf der Packung.

Kleiner Gündogan


Während die Grinse-Porträts von Mario Götze und Lukas Podolski durchaus in das klassische Schema passen, lassen die Aufnahmen von anderen Mitspielern stutzen. Da fällt der dunkelhäutige Jérôme Boateng ebenso aus dem Rahmen wie der kleine Ilkay Gündogan, Sohn türkischer Eltern aus Gelsenkirchen.

Gehässige Bemerkungen mutmaßlicher Pegida-Anhänger bei Facebook haben eine Welle ins Rollen gebracht. "Vor nichts wird Halt gemacht", beschwert sich eine Gruppe "Pegida BW - Bodensee" dort. Ein Sympathisant bedauert in der Kommentarspalte das "arme Deutschland" und ruft zum Boykott des Produkts auf. Die Facebook-Seite war allerdings kurz danach nicht mehr verfügbar. DFB-Präsident Reinhard Grindel nennt die Kommentare "geschmacklos", zumal die Fußball-Nationalmannschaft eines der besten Beispiele für gelungene Integration sei.

Die Gegenreaktionen zu der Hetze im Netz sind kreativ. So kontert die Fußball-Zeitschrift "Elf Freunde" bei Twitter mit einer "Sonderedition für Rassisten". Die Montage zeigt einen lachenden Nationalspieler Stefan Effenberg mit gestrecktem Mittelfinger auf der Kinderschokolade. Deutlich friedvoller kommt Papst Franziskus daher, der mit segnender Armbewegung auf einer Packung "Kirchenschokolade" zu sehen ist. "Auch wir machen vor nichts Halt", schreibt das Internetportal der katholischen Kirche unter seiner Fotomontage. Die Pegida-Führung will mit dieser Art von Hetze gegen Migranten nichts zu tun haben.

Pegida distanziert sich


Die Äußerungen über die Kinderschokolade-Edition seien "derart unsinnig und mit Verlaub dumm", zitiert "Web.de" Pegida-Chef Lutz Bachmann. Die Gruppe "Pegida BW-Bodensee" sei seit Juni 2015 kein offizieller Ableger von Pegida, sondern nutze widerrechtlich den Namen. Die Polizei in Konstanz hat die Gruppe vom Bodensee seit längerem im Blick. "Hin und wieder schlägt was bei Facebook auf", sagt ein Polizeisprecher. "Aber wer dahinter steckt und wo die verortet sind, ist eigentlich nicht bekannt." Es sei möglich, dass die Gruppe nicht vom Bodensee, sondern von irgendwo anders gesteuert werde.
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