Hetze gegen Windenergienutzung
Briefe an die Redaktion

Leserbrief zur Informationsveranstaltung gegen den Windpark Kohlberg:

Die BI Kohlberg hat mit ihrer Info-Veranstaltung der ganzen Gemeinde einen Bärendienst erwiesen. Man kann sich natürlich gegen Windkraft stellen, aber was die Referenten abgezogen haben, war genau das, was ich von ähnlichen Treffen her kenne.

Die einseitige Art der Darstellung macht ein faires Miteinander von Windkraftgegnern und -befürwortern fast unmöglich. Gott sei Dank hatten einige Anwesende, auch Gemeinderäte, den Schneid, die beiden Redner während der anschließenden Diskussion auch mal in die Schranken zu weisen. So hat einer der beiden Redner das Fass beinah zum Überlaufen gebracht, als er behauptete, dass Personal des Bund Naturschutz mit Geld aus der Windbranche bezahlt werde.

Im vorausgehenden sehr zahlenlastigen und nicht objektiven Vortrag mussten die Gesundheitsgefahren wieder die Hauptlast übernehmen, fälschlicherweise allen voran der Infraschall. Neutrale wissenschaftliche Quellen sprechen den Studien über Gesundheitsrisiken durch Infraschall jedwede Belastbarkeit ab. Aus gutem Grund: Infraschall ist etwas ganz Natürliches, es gibt in unserer Umwelt eine Unzahl von Infraschallquellen: Mechanische Vorgänge, Industriebetriebe, Erdbeben, Seegang oder Wind an sich sind nur einige Beispiele. Aber die bösen Windradmonster müssen immer als Prügelknabe herhalten. Das ist lächerlich.

Weitere Opfer der unseriösen Darstellung waren Schwangere und diverse Tierarten. So wurden Fotos gezeigt von gevierteilten Vögeln. Das kann in höchst seltenen Ausnahmefällen vorkommen, das möchte ich nicht ausschließen. Es wurde aber so dargestellt, als wäre das die Regel. So wird gegen Windenergienutzung gehetzt.

Ein weiterer Beleg für versuchte Windenergie-Verunglimpfung ist die angeblich mangelnde Wirtschaftlichkeit. Der Referent habe noch nie ein Projekt gesehen, bei dem für die Anteilseigner etwas übrig geblieben sei. Dann sollte er sich einfach nur gründlicher umsehen, oder war das Ganze ein Neidvortrag? Und: Windenergie ist ein ganz normaler Wirtschaftszweig, wie die ganze Energiewirtschaft. Wieso beklagt er nicht z. B. die viel höher subventionierte Photovoltaik, neben der Windenergie ein weiterer unverzichtbarer Eckpfeiler für das Gelingen der Energiewende. Aber zum Glück entscheidet nicht der Referent über die Wirtschaftlichkeit, sondern eine erforderliche Windmessung.

Genauso ist es unmöglich, die Affäre um Prokon mit den heimischen Bürgerwind-Gesellschaften zu vergleichen und wieder verallgemeinernd zu behaupten, dass bei 5 Millionen Euro Investitionskosten alleine 1 Million Euro bei der Führung der Betreibergesellschaft verbraten werden.

Es ist bezeichnend, dass der Redner für das starke Ansteigen der Netzausfälle von wenigen Fällen jährlich zum Zeitpunkt x auf über 1000 im Jahr 2014 die Windenergie verantwortlich macht. Sollte er die Schuld dafür nicht eher bei den Netzbetreibern suchen, die in den letzten Jahren die Modernisierung und den Ausbau der Netze verschlafen und stattdessen von uns allen jährlich Milliardenüberschüsse kassiert haben?

Auch ich sehe es so, dass dieser völlig überzogene Auftritt leider vor allem bewirkt hat, dass in der Kohlberger Bevölkerung unbegründete Ängste geschürt und die Bürger gespalten werden. Ist es das, was die BI erreichen will? Das kann ich nicht glauben, denn dabei handelt es sich um Einheimische. Da lob' ich mir die Vorsitzende der BI Gleiritsch, die - die Kohlberger Bevölkerung zu einem kritischen Miteinander auffordernd - anscheinend auch erkannt hat, welche Farce diese Veranstaltung war. Davon zeugen auch die Flugblätter, die zu Beginn verteilt wurden. Ich kann diese nur als unsachliche "Hetzschriften" verurteilen. Die Kohlberger BI würde gut daran tun, sich in ihrem weiteren Vorgehen zu mäßigen und von manchem Rednerbeitrag zu distanzieren.

Der Kohlberger Gemeinderat hat sich vor geraumer Zeit für eine Bauleitplanung entschieden und damit einen ganz wichtigen und vorausschauenden Schritt für die Gemeinde und zum Schutz vor unkontrolliertem Wildwuchs bei der Windenergienutzung gemacht, denn nur dadurch behält die Gemeinde das Heft in der Hand. Ein Mindestabstand von 1,750 Metern ist traumhaft und ein Großteil der Windkraft nutzenden Gemeinden wäre froh, solche Abstände zu haben.

Michael FlierlHirschau

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