Hochwasser in Niederbayern
Land unter

Mitarbeiter der Wasserwacht des Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks evakuieren mit einem Schlauchboot Menschen in Simbach am Inn. Nach anhaltendem Dauerregen ist ein Teil des Landkreises Rottal-Inn in Bayern am Mittwoch überschwemmt worden. Bilder: dpa
 
Von vielen Autos schauten in Simbach am Inn nur noch die Hecks aus den Wassermassen.

Die Flutwelle ist gewaltig: Mit aller Macht rauscht die braune Hochwasser-Brühe durch Simbach am Inn. Sie hinterlässt eine Spur der Verwüstung und jede Menge Schlamm. Die Menschen in Niederbayern sind angesichts dieser Katastrophe verzweifelt.

Simbach am Inn. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durch Simbach am Inn. "Von da oben ist das Wasser gekommen", sagt ein Mann mit Regenschirm fassungslos und zeigt die Straße hinauf. "Das war, als wenn ein Staudamm gebrochen wäre." Nach heftigem Dauerregen treten am Mittwoch in Südostbayern Flüsse und Bäche über die Ufer.

In Simbach rauscht eine braune Flutwelle durch den Ort Richtung Tal. Alles wird mitgerissen. Im tiefer gelegenen Teil des Ortes sammelt sich die schmutzige Brühe. Während weiter oben schon die Aufräumarbeiten beginnen, ist weiter unten am Abend immer noch alles von den Wassermassen eingeschlossen.

So wie in Simbach sieht es auch in anderen Gemeinden im Landkreis Rottal-Inn aus. In Triftern stehen Häuser bis in den ersten Stock unter Wasser. Hubschrauber befreien Menschen, die inmitten der Wassermassen gefangen sind. Sie schweben an Sicherungsseilen mit den Helikoptern aufs Trockene. Andere warten noch in den oberen Stockwerken ihrer Häuser auf Hilfe, manche sind aufs Dach geklettert. Und es hört nicht auf zu regnen.

"Müssen damit leben"


Verzweifelt betrachten die Bewohner die Schäden, die die Flut angerichtet hat. Geschäfte sind zerstört, Fensterscheiben unter dem Druck des Wassers regelrecht zerborsten. Wo das Wasser bereits abgeflossen ist, überzieht Schlamm die Straße. In einer Turnhalle in Simbach schwimmen Turnmatten im Schlick, die Tiefgarage der Sparkasse ist bis zum Rand mit Wasser vollgelaufen. "Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell", sagt Emil Bumberger von der Polizei in der Kreisstadt Pfarrkirchen. Das bekommt auch Johann Geier zu spüren. Er hat sich erst vor kurzem in Triftern ein Haus gebaut, nahe dem Altbach, und ist erst im Dezember eingezogen. "Ich habe extra bei den Behörden gefragt, da hat man mir gesagt, das sei kein Hochwassergebiet. Die Lage sei nicht gefährdet", sagt er wütend. Nun ist alles zerstört.

Auch der 74-jährige Rainer Brandner ist immer noch schockiert. Er wohnt seit 50 Jahren in Triftern, ganz nah am Bach. "So ein Ausmaß gab es noch nie, damit haben wir nicht gerechnet", sagt er. "Wir müssen aber damit leben." Das Wasser hat sich durch die dreifachverglasten Fenster gedrückt und ist quer durchs Erdgeschoss gerauscht. Jetzt steht Brandner da mit einem Besen und blickt auf sein Zuhause, bis ihn die Feuerwehr in Sicherheit bringt.

Im Dauerneinsatz


Die Helfer stehen vor einer Mammutaufgabe: "Die Rettungskräfte sind pausenlos im Einsatz, um Menschen aus Autos und Häusern zu retten", sagt Rainer Kubitschek vom Landratsamt Rottal-Inn. Er rechnet mit Schäden mindestens im zweistelligen Millionenbereich.

Drei Brennpunkte des HochwassersDrei Orte im Freistaat waren am Mittwoch von schweren Überschwemmungen besonders betroffen. Ein Überblick über die Brennpunkte der Katastrophe:

Der Markt Triftern liegt im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. Rund 5200 Menschen leben in der kleinen Gemeinde, durch die der Altbach fließt. Triftern liegt in unmittelbarer Nähe des niederbayerischen Bäderdreiecks Bad Birnbach, Bad Griesbach und Bad Füssing. Bis nach Passau sind es rund 50 Kilometer, bis nach Regensburg mehr als 100. Hier fielen laut Deutschem Wetterdienst seit Dienstagabend etwa 45 Liter Regen pro Quadratmeter.

Die niederbayerische Stadt Simbach am Inn liegt direkt an der österreichischen Grenze. Mitte 2015 zählte Simbach knapp 9700 Einwohner. Die Bedeutung des Flusses Inn spiegelt sich auch im Wappen der Stadt: Dort spannt sich eine rote Brücke über die blauen Fluten des Stromes. Bis nach Passau sind es knapp 60 Kilometer, die österreichische Mozartstadt Salzburg liegt ebenfalls 60 Kilometer entfernt. Bis München sind es 115 Kilometer.

Der Markt Tann liegt im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. Etwas mehr als 4000 Menschen leben in der kleinen Gemeinde unweit des Zusammenflusses von Inn und Salzach. Im Jahre 927 wurde Tann erstmals urkundlich erwähnt. Einen großen Aufschwung erhielt der Ort im 18. und 19. Jahrhundert durch die Wallfahrt zum "Herrgott von Tann". Dieses "wundertätige Kreuz" ist noch heute in der zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbauten Pfarrkirche zu bewundern. (dpa)


Das war, als wenn ein Staudamm gebrochen wäre.Ein Augenzeuge in Simbach am Inn
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