Humorist Josef "Bäff" Piendl berichtet über seine Erfahrungen als Hochzeitslader und verrät, ...
Zeremonienmeister fürs Brautpaar

Wenn er auftaucht, wird's lustig. Dann gehen die Mundwinkel synchron nach oben und selbst die größten Miesepeter müssen sich vor Lachen den Bauch halten. Josef Piendl hat sich im Freistaat mittlerweile einen hervorragenden Namen gemacht - als Humorist, Gstanzlsänger, Liedermacher und Unterhalter.

Die "Grunderfahrungen" dafür hat er sich in seiner langjährigen Tätigkeit als Hochzeitslader angeeignet, betont der gelernte Landwirt und Koch, der selbst seit knapp 25 Jahren einen Ehering am Finger trägt.

In unserem Interview verrät "Bäff" - so lautet der Spitz- und Künstlername des 51-Jährigen aus Roding - wie er selbst zum Thema "Hochzeit" steht und was hinter dem alten Brauch des "Hochzeitsladen" steckt.

Herr Piendl, warum sind Sie verheiratet?

Piendl: Weil es für mich das Normalste von der Welt ist, dass man eben nicht solo bleibt.

Aber dann hätte doch auch eine "wilde Ehe" gereicht...

Piendl: Ich bin katholisch erzogen worden und der Meinung, dass Ehe einfach Ehe ist. Man sollte in einer Beziehung Nägel mit Köpfen machen, dann eine vernünftige Familienplanung folgen lassen - und sich eben kein Hintertürchen offenlassen.

War das auch der Grund, warum Sie Hochzeitslader geworden sind?

Piendl: Nein. Hochzeitslader haben mich schon immer interessiert. Schon als kleines Kind hat es mich fasziniert, wenn sich der Hochzeitslader darum gekümmert hat, dass der Tagesablauf bei einer Hochzeit in guten Bahnen verläuft.

Außerdem hab ich schon als Jugendlicher gerne Gstanzln gesungen und während meiner Zeit bei der Landjugend viele Veranstaltungen organisiert. Als ich 25 Jahre alt war, wurde ich dann mal gefragt, ob ich das nicht machen könnte.

Wo kommt der Brauch des Hochzeitsladens eigentlich her?

Piendl: Früher hat man ja nur unter der Woche geheiratet. Der Hochzeitslader hat dann dem Brautpaar die Arbeit abgenommen, ist im Dorf von Gast zu Gast gegangen und hat zu der Feier eingeladen. Im Bayerischen Wald ist das heute noch so Brauch, und ich hab das auch manchmal so gemacht. Mittlerweile hat sich die Tätigkeit des Hochzeitsladers hin zum Zeremonienmeister gewandelt. Und zum Organisator. Am Tag der Hochzeit sind eh alle nervös. Deswegen ist es gut, wenn einer die Organisation übernimmt.

Als ich mit dem Hochzeitsladen angefangen hab, hab ich auch oft ältere Kollegen gefragt, was genau gemacht werden muss. Mittlerweile rufen die jungen Hochzeitslader bei mir an und fragen: "Wie machst Du das und das?"

Jetzt heißt das Ganze ja "Wedding-Planer"...

Piendl: Nicht ganz, weil der "Wedding-Planer" ist ja bei der Hochzeit vermutlich nicht dabei, oder? Der Hochzeitslader aber führt direkt am Hochzeitstag durchs Programm. Er ist schon in der Früh beim elterlichen Segen dabei, organisiert den Hochzeitszug zur Kirche, den ganzen zeitlichen Ablauf, das Gruppenfoto, die Ansage des Brautwalzer und so weiter...

Heutzutage weiß oft keiner mehr so genau, wie eine traditionelle Hochzeit abläuft. Der Hochzeitslader bringt dann einen roten Faden rein. Außerdem singt er Gstanzln über die Gäste - und wenn sich auf der Feier stimmungsmäßig nichts rührt, veranstaltet er Spiele und erzählt Witze.

In vielen Teilen der Oberpfalz ist dieser Brauch aber nicht so verbreitet?

Piendl : Stimmt. Hochzeitslader sind mehr so im bayerischen Wald und Oberbayern aktiv. Ich wohne im Landkreis Cham, und hier ist dieser Brauch durchaus noch vertreten, wenn er auch generell nachlässt. Vor 15, 20 Jahren war es noch normal, dass ein Hochzeitslader beim Heiraten dabei ist, heutzutage ist es eher die Ausnahme.

Ich war mal in Plauen, da gibt es Hochzeitsbitter. Den Brauch gibt es in verschiedenen Regionen immer wieder mal, aber in der nördlichen Oberpfalz halt kaum. Ich hatte aber auch aus dieser Gegend schon Anfragen, wenn es sich Brautpaare gewünscht haben.

Warum sind Sie selbst eigentlich nicht mehr als Hochzeitslader aktiv?

Piendl: Ich bin zum einen sehr viel unterwegs durch andere Auftritte. Zum anderen habe ich vor 7, 8 Jahren Probleme mit der Stimme bekommen und hatte sogar eine Stimmband-OP. Es war halt immer sehr anstrengend auf Hochzeiten, die den ganzen Tag lang dauern und bei denen man oft und laut schreien muss.

Der HNO sagte dann irgendwann zu mir: "Das musst du aufgeben." Jetzt mach ich nur noch kürzere Auftritte, das ist schonender für die Stimme, so hab ich die Probleme auch wieder in den Griff bekommen.

Sie sind schon lange im Geschäft und treten auch noch als Gstanzlsänger auf Hochzeiten auf. Hat Ihrer Meinung nach die Ehe einen anderen Stellenwert als früher?

Piendl: Die Zeiten haben sich geändert. Früher lautete die Grundeinstellung: "Man heiratet. Aus, Ende!" Heute sagen viele: "Naja, wenn es auseinandergeht, dann is' halt so!" Ich bin der Meinung, dass es eben nicht so schnell auseinandergeht, wenn man kirchlich heiratet. Viele Leute lassen sich auch von Showhochzeiten im Fernsehen beeinflussen. Und bei denen ist die Show rundum wichtiger als das Ja-Wort.

Können Sie zum Abschluss noch eine Hochzeitslader-Anekdote zum Besten geben?

Piendl: Spontan fallen mir da zwei lustige Geschichten ein: Einmal, bei einer Hochzeit, ist der Bräutigam vorne am Altar gekniet. Und jeder von den Gästen konnte auf seinen Schuhsohlen klar und deutlich einen Aufkleber erkennen und lesen: "Sonderpreis, 10 Mark".

Ein anderes Mal bin ich mit dem falschen Bräutigam zur Brautentführung. Der Bräutigam hatte einen Zwilling und die beiden haben mich geblitzt. Die Brüder haben einfach ihre Jacken getauscht. Ihre Freunde und die Familie haben es alle gewusst, nur ich hab's nicht gemerkt. Erst nach ungefähr zehn Minuten hab ich's geschnallt, als die Gäste sagten: "Des is fei der Falsche!"
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.