"Ich dachte immer, Hunde sind ein Teil der Natur"

Zur Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes Ammerbachtal und einer damit verbundenen teilweisen Leinenpflicht für Hunde:

Hallo. Mein Name ist Paul. Ich bin ein fast dreijähriger Labradorrüde. Nach einem langen Arbeitstag verbringe ich meine Freizeit, mit wenigen Ausnahmen, auf dem Segelflugplatzgelände. Hier treffe ich alle meine Kumpels. Wir toben und spielen, messen unsere Kräfte oder imponieren der hündischen Damenwelt. Meine Abende sind ein Hundetraum. Auch Frauchen und Herrchen finden das alles ganz toll.

Neulich hörte ich von den Plänen, dieses Areal zum Naturschutzgebiet umzufunktionieren. Fälschlicherweise dachte ich immer, Hunde sind ein Teil der Natur. Aber falsch gedacht. In diesem Zusammenhang ist geplant, große Flächen für Bodenbrüter einzuzäunen, sowie mir und meinen Kumpels eine Leinenpflicht aufzuerlegen. Kann mir jemand vielleicht sagen, wie wir uns dann austoben sollen? Cesar Millan sagt, ausgeglichene Hunde brauchen in erster Linie Bewegung. Da mein Frauchen und auch mein Herrchen nicht so perfekt inlineskaten können wie eben genannter Hundeflüsterer, beide auch läuferisch nicht so schnell sind wie meine Hundefreunde, bevorzuge ich natürlich meine Kumpels, um mich auszutoben. Aber mit Leine ist das nicht mehr möglich.

Die Tierheime suchen ständig Menschen, die aggressive Tiere adoptieren bzw. Geld sowohl für die Versorgung als auch die Therapie dieser spenden. Auf dem Gelände des Segelflugplatzes treffe ich nie auf verhaltensgestörte Hunde. Vielleicht, weil die Besitzer sich mit uns beschäftigen? Weil wir toben und spielen können und unsere Energien positiv verbrauchen? Möchte die Politik in Amberg keine ausgeglichenen Hunde? Möchte die Politik in Amberg vielleicht gar keine Hunde? Werden wir Hunde an den Rand der Gesellschaft gedrängt?

Mit Randgruppen kenne ich mich aus. Tagtäglich versuche ich den Bewohnern einer Senioreneinrichtung mindestens ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, weil diese Menschen nämlich auch eine Randgruppe darstellen. Abends würde ich gerne Hund sein und auch das tun, was Hunde gerne tun.

Das Segelflugplatzgelände wird von vielen Interessensgruppen genutzt; von Joggern, Radfahrern, Wanderern, Verliebten und uns. Wobei ich den Eindruck habe, dass ich mit meinen Kumpels und unseren "Angehörigen" den größten Anteil einnehme. Wenn Jogger oder Radfahrer des Weges kommen muss ich immer brav bei Fuß gehen. Das verstehe ich auch. Alle müssen aufeinander Rücksicht nehmen und das tun wir auch. Es ist ein gewachsenes Freizeitareal entstanden. Es macht Spaß, wenn an den Wochenenden viele Menschen und Hunde unterwegs sind. Wenn wir dieses Gelände nur noch mit Leine betreten dürfen, fühlt es ich so an, als wolle man uns Hunde loswerden. Wir brauchen Freilaufflächen, die nicht von Hauptverkehrsstraßen begrenzt sind.

Das ist sehr gefährlich für uns. Wenn ich beispielsweise eine Katze sehe, habe ich für einige Minuten keinen Zugriff auf meine Gehirnleistung. Wenn sich daher in unmittelbarer Nähe eine Straße befindet, kann es für mich im schlimmsten Fall tödlich enden. Ich sehe ein, dass ich immer auf das Wort von Frauchen und Herrchen hören muss. Allerdings bin ich als Hund und nicht als Waschmaschine geboren worden. Ich kann es nicht ändern. Außerdem sagt Frauchen immer, meine Gehirnwindungen brauchen, um vollständig ausgereift zu sein, noch ein zusätzliches Jahr, da ich ein Rüde bin.

In Nürnberg gibt es, zumindest in der näheren Umgebung meiner Arbeitsstelle, keine Wiesen zum Laufen. Alle Hunde aus der Nachbarschaft gehen ausschließlich an der Leine durch die Stadt. Wenn ihr mich fragt, die sehen nicht glücklich aus. Mehrmals im Monat fährt ein Motorrad mit einem eingebauten Kehrbesen alle Bürgersteige lang und entfernt die Fäkalien der Hunde. Die Ränder der Gehwege und auch die Minirasenflächen in der Stadt sind große Hundetoiletten. Ich finde das furchtbar widerlich. Auch Menschen finden das inakzeptabel. So inakzeptabel, dass einer meiner Kumpels (der Hund einer Bewohnerin) mit Rattengift vergiftet wurde. Der Hund ist tot. Wie es der alten Frau geht, muss ich euch nicht erzählen.

Wir haben in Amberg das Glück, in unmittelbarer Stadtnähe dieses wunderbare Freizeitareal nutzen zu dürfen, wo ich mit meinen Freunden spielen und auch alle sportbegeisterten Menschen Spaß haben können und nicht wie bereits erwähnt gegenseitig Hass geschürt wird, wenn Hunde die Stadt als Toilette benutzen.

Ich habe einen großen Wunsch an die Politiker. Es heißt, der Hund ist der beste Freund des Menschen. Haben unsere Stadträte eigentlich Hunde? Lasst uns ein Teil der Gesellschaft bleiben, drängt uns nicht an den Rand und bittet dann um Spenden für das Tierheim.

Euer Paul mit Frauchen Sonja Hartinger, Amberg

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