Illegale Autorennen
Künftig soll Gefängnis drohen

Immer wieder werden Menschen bei illegalen Autorennen schwer verletzt. Im Mai 2016 standen zwei zerstörte Fahrzeuge auf einer Kreuzung in Hagen (Nordrhein-Westfalen). Zwei Fahrzeuge hatten sich ein Rennen geliefert, wobei ein Wagen in den Gegenverkehr raste. Der Fahrer des entgegenkommenden Autos hatte keine Chance, den Frontalzusammenstoß zu verhindern. Fünf Menschen werden verletzt. Archivbild: dpa
 
"Raserei ist russisches Roulette, allerdings ist der Spieleinsatz das Leben der anderen." Zitat: Thomas Kutschaty (SPD), nordrhein-westfälischer Justizminister

Ein kurzer Blick zum Nebenmann, dann Vollgas - wer rast schneller? Lebensgefährliche illegale Autorennen sollen nach einer Initiative aus Nordrhein-Westfalen härter bestraft werden. Raser spielten mit dem Leben der anderen, sagt der Justizminister.

Düsseldorf/Berlin. Teilnehmern an illegalen Autorennen könnten schon bald jahrelange Haftstrafen oder der Verlust des Fahrzeugs drohen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf legte Nordrhein-Westfalen mit Unterstützung aus Hessen dem Bundesrat vor. Die Länderkammer soll am Freitag darüber beraten. Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) erwartet eine breite Zustimmung. Laut "Rheinischer Post" haben Bayern, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern ihre Zustimmung bei der Bundesratssitzung erklärt.

"Wer Autorennen fahren will, soll zum Nürburgring fahren", sagte der Minister am Dienstag. Bislang ist die Beteiligung an illegalen Rennen eine Ordnungswidrigkeit, die mit 400 Euro und einem Monat Fahrverbot bestraft wird. Veranstalter müssen mit 500 Euro rechnen.

Das ist Kutschaty zu wenig. "Das ist wirklichkeitsfremd. Denn Raserei ist russisches Roulette, allerdings ist der Spieleinsatz das Leben der anderen", sagte der Minister. "Wir wollen, dass solche Aktionen künftig richtig bestraft werden können." Sein Gesetzentwurf sieht vor, dass illegale Autorennen als Straftat im Strafgesetzbuch aufgeführt werden. Teilnehmern sollen drei Jahre Haft drohen - sogar zehn Jahre, wenn jemand bei einem illegalen Rennen schwer verletzt oder gar getötet wird.

Fahrzeuge wegnehmen


Außerdem könnten damit gegen beharrliche Mitglieder der Szene lange Freiheitsstrafen verhängt werden, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden dürfen. In der Bundesratsinitiative geht es nicht nur um Freiheitsstrafen. Solche Raser seien besonders nachhaltig zu beeindrucken, wenn man ihnen ihre Fahrzeuge wegnimmt. Deshalb soll auch das möglich werden.

Selbst Autobesitzer, die nicht selbst mit ihrem Wagen an einem Rennen teilgenommen haben, sollen das befürchten müssen. Beim Führerscheinentzug sollen sechs Monate bis fünf Jahre die Regel werden. Die endgültige Entscheidung über die verschärften Strafen liegt später beim Bundestag.

Illegale Autorennen haben schon mehrfach tödliche Folgen gehabt: Ende Mai verurteilte das Kölner Landgericht einen Renn-Raser, der einen Radfahrer totgefahren hatte, zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. In einem anderen Fall mit tödlichem Ausgang schickte es die Raser aber mit Bewährungsstrafen nach Hause. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auch andere Todesfahrer kamen schon glimpflich davon.

In Hagen sorgte im Mai ein illegales Autorennen für Schlagzeilen, weil dort ein sechsjähriger Junge lebensgefährlich verletzt wurde. Da ein illegales Rennen bislang nur eine Ordnungswidrigkeit ist, müssen für die Strafbarkeit andere Paragrafen wie fahrlässige Tötung oder Körperverletzung herangezogen werden.

Reker unterstützt Initiative


Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker unterstützte zwar die geplanten Haftstrafen. Noch wirksamer sei aber der langjährige Verlust des Führerscheins, sagte sie. "Gerade die Menschen in Köln mussten schmerzvoll erleben, wie schnell illegale Autorennen tödlich enden können", sagte die parteilose Politikerin. "Wer fahrlässig mit dem Leben anderer spielt, dem muss eine entsprechend harte Strafe drohen."

Raserei ist russisches Roulette, allerdings ist der Spieleinsatz das Leben der anderen.Thomas Kutschaty (SPD), nordrhein-westfälischer Justizminister


Tote und Verletzte bei illegalen AutorennenAuf deutschen Straßen kommt es immer wieder zu illegalen Autorennen. Den Preis für den Nervenkitzel zahlen oft Unbeteiligte. Eine Auswahl schwerer Raser-Unfälle:

Mai 2016: Zwei Fahrer liefern sich ein Rennen in der Innenstadt von Hagen (Nordrhein-Westfalen). Bei einem Ausweichmanöver rammt einer der Raser unbeteiligte Autos. Fünf Menschen werden verletzt. Ein Sechsjähriger schwebt tagelang in Lebensgefahr, überlebt aber.

Februar 2016: In der Nähe der Berliner Gedächtniskirche fahren zwei junge Raser ein tödliches Rennen. Eines der Autos stößt mit einem Geländewagen zusammen, dessen 69 Jahre alter Fahrer stirbt.

Januar 2016: Bei einem illegalen Rennen in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.

Dezember 2015: In Karlsruhe liefern sich zwei Autofahrer ein Rennen, bis es zum Unfall kommt. Beide Wagen rammen mehrere unbeteiligte Autos. Sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer.

April 2015: Zwei junge Männer rasen durch Köln. Bei Tempo 100 verliert einer der beiden die Kontrolle über seinen Wagen. Eine 19 Jahre alte Radfahrerin wird tödlich verletzt.

April 2015: Während ein Radfahrer in Leverkusen bei Grün die Straße überqueren will, fahren zwei Raser viel zu schnell auf die Kreuzung zu. Einer erfasst den 20-Jährigen und verletzt ihn schwer.

März 2015: Bei einem spontanen Rennen fährt ein Raser in Köln über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen. (dpa)
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