Im Reich der Vulkane und Bären

Kamtschatka mit seinen Hunderten Vulkanen ist ein einsamer Ort. Es scheint, als gebe es auf der jahrzehntelang verschlossenen Halbinsel mehr Bären als Menschen. Dazu Lachse überall und Natur, die an andere Planeten oder Mär- chenwälder denken lässt. Ein großartiges Schauspiel.

Am schnellsten bleibt die Zivilisation auf der Strecke auf dem Weg zum legendären Tolbatschik - einem Wahrzeichen auf der russischen Halbinsel Kamtschatka. Der Asphalt bricht außerhalb der Ortschaften rasch ab. Die Wege sind hart zum Kljutschewski-Naturpark und seiner einzigartigen Vulkanlandschaft. Zu ihr gehört der Tolbatschik mit seinen vielen Mini-Vulkanen.

Querfeldein rollt Naturführer Waleri mit seinem Geländewagen. Ausgetrocknete Flussbetten, reißende Ströme und tief zerklüftete und schlammige Waldstraßen muss er bewältigen, um Touristen sicher zu dem Naturpark auf einem Hochplateau zu bringen. Es ist eine Ebene, die an eine Mondlandschaft denken lässt - oder sogar an den Mars, wenn die stumpfen Kegel im Abendsonnenlicht rot glühen. "Viele kommen auf Spritztour mit dem Hubschrauber", sagt Waleri. Kahl stecken die Baumreste im aschgrauen Boden. Fast unausweichlich sind Begegnungen mit dem Kamtschatkabär. Die Halbinsel im äußersten Osten des Riesenreiches ist bekannt für Russlands größte Bärenpopulation. Im Schnitt drei Tage ist Waleri mit seinen Gästen für eine Tour zum Tolbatschik unterwegs. Er hat Campingzeug für Gäste mit leichtem Gepäck auf dem Dach seines Geländewagens dabei.

Urige russische Lebensart

Zeltlager gibt es einige in der Gegend. Die Nächte unter dem sternenklaren Himmel sind auch im Sommer frostig. Bewohner der spartanischen Dörfer wie in Kosyrewsk im Flachland bieten vor den Touren zum Kljutschewski-Naturpark noch einmal ein richtiges Lager. Mit den einfachen Gästebetten in Holzhäusern verdienen sich die Bauern in dem kurzen Sommer ein Zubrot. Auch eine Banja - das russische Dampfbad - feuern die Gastgeber für Besucher an: Stärkung und Reinigung zugleich. Noch mehr urige russische Lebensart geht kaum - Schwärme bluthungriger Mücken inbegriffen.

Im Vulkanpark selbst gibt es wenig Leben, seit hier ein Großausbruch 1975 auf einer Fläche von mehr als 400 Quadratkilometern alles Pflanzliche vernichtete. Rund 9000 Kilometer liegt Kamtschatka von Deutschland entfernt - bei zehn Stunden Zeitunterschied. Als hier die Kommunisten zu Sowjetzeiten das Sagen hatten, war die Halbinsel für Fremde praktisch Sperrgebiet - zugänglich nur mit Sondererlaubnis des KGB. Längst kommen auch Japaner aus ihrer nahen Heimat.

Von den größeren rund 300 Vulkanen sind etwa 10 Prozent aktiv. Eine einzigartige Dichte. Die Halbinsel schaffte es auch wegen ihrer Tier- und Pflanzenwelt auf die Liste des Weltnaturerbes der Unesco. Elf Lachsarten sind in den Flüssen Kamtschatkas heimisch - so viele wie sonst nirgends auf der Welt. Der hier vielerorts gewonnene rote Lachskaviar ist als Delikatesse in ganz Russland begehrt.

Lebensgefährliches Picknick

Die unberechenbare Natur auf Kamtschatka birgt viele Gefahren. Jedes Jahr bezahlen einige Russen ihre Abenteuerlust und Unerschrockenheit mit dem Leben. Hilfe ist oft weit. Auf Mobilnetze ist kein Verlass in der Einöde. Naturführer haben aber im besten Fall Satellitentelefone dabei. Schon ein Picknick kann lebensgefährlich sein, wenn der Geruch von Essen hungrige Bären anlockt. Die Braunbären, die vor allem Fisch, Pilze und Beeren essen, besiedeln die gesamte Halbinsel. Erst seit gut 20 Jahren entwickelt sich der Tourismus. Die meisten Besucher kommen im Sommer ungeachtet der hohen Flugkosten. Sie genießen das Baden in Thermalquellen oder Seen mit Wasser in Badewannentemperatur. Im Winter, wenn die Flüge deutlich günstiger sind, werben Anbieter für Ski- und Schlittentouren. In die Zivilisation zurück führt der Weg durch die Taiga und schließlich mit einer Fähre über die Kamtschatka, den größten Fluss der Halbinsel.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.visitkamchatka.com
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