Impressionen vom Land Rover und dem Mini Cooper SD
The British way of Drive

Landy
 
Nah am Laster: Der Arbeitsplatz im Defender. Bilder: Ascherl
Der Schrullige und das Mannequin - so stehen die Protagonisten von der Insel dieses auf den ersten Blick befremdlichen Vergleichs nebeneinander. Der Land Rover weiß, dass seine Tage gezählt sind und will sich noch einmal von seiner besten Seite zeigen, tritt an als siebensitziger Station Wagon mit einem 122-PS-Dieselmotor. Die forstgrüne Lackierung (Aintree Green) mündet in einem weißen Dach. Muss wohl in sein im Vereinigten Königreich, denn auch der Kleine trägt ein weißes Häubchen, kombiniert mit breiten Zierstreifen im dunklen Lack, dazu weiße Spiegelkappen.

Erfahrener Kämpfer

Klimbim jeder Art passt nicht zum Land Rover. Er wurde vor 67 Jahren als Soldat geboren und unternimmt auch keinen Versuch, dies zu verleugnen. Der lose Untergrund, das schwere Gelände, weites Land das sind seine Kampfgebiete. In der Zivilisation fühlt er sich unwohl, gibt sich knurrig und sperrig. Nur unwillig lässt er sich um die Ecke hieven; sein Ding ist der weite Schwung (Wendekreis 12,80 Meter), und Servolenkung ist sowieso nur etwas für Mädchen. All die kleinen Helfer, die sie ihm im Laufe der Jahre eingepflanzt haben, wie zum Beispiel Schalter für elektrische Fensterheber, Heckscheibenwischer oder beheizbare Scheibe hinten, müssen zusehen, wo sie Platz finden im mächtig aufragenden Armaturenbrett. Der Defender nimmt sie hin, akzeptiert sie aber nicht wirklich. Kriechgang und Untersetzung sind ihm wichtiger als Chi-Chi.


Dafür ist der Mini zuständig. Der kommt ja mittlerweile von BMW und ist vom Original weiter entfernt als die Queen von einem Thronwechsel, greift die Charakterzüge des genialen aber unzuverlässigen Urahnen allerdings geschickt auf und bezaubert so in erster Linie die Ladies. Wir haben den Land Rover eines Morgens erwischt, wie er sich schüttelte vor Lachen, als er sich die Gimmicks einmal vorführen ließ.

Die große Mini-Show

Der Testwagen ist ein Cooper SD mit vier Türen, angereichert mit zahlreichen Optionen aus der Aufpreisliste. Alle fünf Passagiere sitzen zwischen Lichtleisten, die ihre Farbe je nach Gemütszustand wechseln. Ist der Mini als Öko unterwegs, leuchten die Lichterketten kurz grün, im Normalmodus gelb, und wenn er per Fahrmodus-Schalter zum Go-Cart mutiert, changiert das Ambiente in einen Rot-Ton. Das suppentellergroße Mitteninstrument zeigt im Leuchtring dann die Drehzahl an, der Wagen schärft seine Krallen, liegt hart, reagiert spontaner und lenkt direkter. Im Öko-Modus dagegen, erzieht er zum frühen Hochschalten und belohnt auch gleich mit der Information darüber, wie viele Zusatzkilometer herausgeknausert wurden.



I'm a wanderer

Der Defender ist von Haus aus so laut, dass man freiwillig den nächsthöheren Gang einlegt, was Getriebe und Antriebsstrang stets mit einem tiefen Zungenschnalzer quittieren: "Schmaponz!"

Laut Kfz-Schein kann der Geländewagen bis zu 145 km/h schnell werden. Ausprobieren wollten wir das nicht, denn mit seinen grobstolligen Ballonreifen beginnt der Land Rover bei Autobahntempo einem Dünenwanderer gleich seine eigene Definition einer Geraden anzubieten. Wie gesagt: das ist nicht seine Welt. 45-Grad-Steigungen (also 100 Prozent) schon eher, Flussdurchwatungen oder das Schleppen schwerer Lasten. Der Vierzylinder von Ford lässt sich das gerne gefallen, bietet seine Kraft schon bei niederen Touren an und lässt die Insassen akustisch wissen, dass auch er zum Expeditions-Team gehört.

Wie schön du bist

Kleiner, leichter und trotzdem mit mehr Muckis: 170 PS schickt der Mini an die Vorderräder, und die haben alle Mühe, diese Kraft auf die Straße zu bringen; immer mal wieder scharren sie wild auf dem Asphalt, vor allem wenn dortselbst herbstliche Verhältnisse herrschen. Darüberhinaus macht der Cooper unglaublich viel Spaß. Zackig wuselt er um Kehren, beschleunigt wie die Feuerwehr und hängt am Gas wie Charles an Camilla. Belederte Schalensitze umschließen Fahrerin und Sozius, unzählige Kippschalter im Kampfjet-Look, zeigen dem Landy, was State of the Art ist. Dabei ist der Mini individualisierbar bis zum Einzelstück. Was manche für übertrieben halten (vor allem grüne Geländewagen), kommt beim Publikum an. Die Fahrt zum Brötchenholen ist wie Laufen über den Catwalk, der Weg zur Arbeit wird zur täglichen Show.

Man sieht sich

Langweilig ist keiner der beiden. Land Rover Defender und Mini Cooper SD pflegen ihr extravagantes Image und folgen konsequent ihrer Bestimmung. Der eine als fast alternativloses und anspruchsloses Arbeitstier, der andere als topmoderne Interpretation eines Retro-Kleinwagens: schnell, sicher, sparsam, spaßig und schick. Ob sich die beiden wieder treffen werden? Wir stellen uns dazu folgendes Szenario vor: Der Bedienstete ("James") der wohlhabenden Familie schleppt die Warmblüter mit dem Defender zum Reitturnier, und die Tochter des Hauses eilt später mit dem Mini Cooper hinterher, um aufs gesattelte Pferd zu steigen. Sagt der Landy zum Mini: "Na, auch schon da?"
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