In den Köpfen regieren Wachstum und Wohlstand, dabei bietet nur die Natur Lebensqualität

Offener Brief an Landtagsabgeordnete Annette Karl (SPD) zum Zeitungsartikel "Regionen an die lange Leine" vom 27. November 2014:

In dem Artikel sagen Sie "schöne Worte" von "zentralistischer Regionalpolitik der Staatsregierung" und nehmen vor allem den "Heimatminister Markus Söder" aufs Korn. Laut der aktuellen Debatte um die Landesentwicklung, sollen ländliche Regionen gegenüber den Ballungszentren aufholen. Diese strukturschwachen Regionen bräuchten aber, laut Ihrer Meinung, mehr Kompetenzen und frei verfügbare Mittel.

Beispiel Weiden

Staatliche Almosen seien keine Stabilisierungshilfe für notleidende Gemeinden, so Ihr Credo. Am Beispiel Weiden zeigen Sie auf, dass genannte Stadt zwar "Sonderhilfen des Freistaates" erhalte, dafür aber freiwillige Leistungen wie Zuschüsse für die Stadtbücherei oder das Keramikmuseum "zurückfahren" muss. Ihr Fazit dazu: "Auf diese Weise wird Stück für Stück Lebensqualität abgebaut."

Generell gesagt hat eine Stadt so gut wie keine Lebensqualität. Je größer, umso weniger. Einzig und allein die Natur bietet uns Lebensqualität. Oder wer sonst beschenkt uns mit Nahrung, Wasser und Platz für Wohnraum? Dazu passt im Moment sehr gut das vorgesehene Gewerbegebiet West IV mit rund 70 Hektar Naturfläche.

Schmetterlinge gefährdet

Aus unzähligen Studien (mit und ohne ellenlange Bärte) wissen wir haargenau, dass wir unsere Natur immer mehr zurückdrängen, ausbeuten, versiegeln, vergiften und verpesten! Zurzeit sind 80 Prozent unserer Schmetterlinge gefährdet, von den circa 560 Wildbienenarten sind etwa 285 gefährdet, und bei den Vertretern der Pflanzen schaut es ebenfalls nicht besser, sondern eher noch schlechter aus.

Und über das "Zusammenleben" oder, besser gesagt, über das "Voneinander-abhängig-Sein" wissen wir auch so gut wie nichts. Denn es reicht nicht aus, einfach ein "08/15-Insektenhotel" aufzustellen und zu meinen, nun wäre alles prima. Manche Arten ernähren sich von ganz speziellen Pflanzenfamilien oder brauchen zur Aufzucht ihrer Nachkommen ganz bestimmtes Nistmaterial beziehungsweise artspezifisches Nektarangebot.

Bei über zwei Dritteln der genannten Wildbienen ist es noch dazu so, dass sie unbefestigten beziehungsweise unversiegelten, natürlichen Boden brauchen, um ihren Brutgeschäften nachkommen zu können. Was würden Sie sagen, wenn man Ihre Wohnung "mir nichts - dir nichts" wegplanieren beziehungsweise mit Beton oder Teer zunichtemachen würde?

Bienen ohne Orientierung

Was tun wir/Sie dagegen? - Nichts! - Warum nicht? - Weil wir das Geld lieben und anbeten und einzig Wachstum und Wohlstand in unseren verbildeten Köpfen Platz hat. An die 30 Prozent unserer Honigbienen leiden jetzt schon unter Orientierungslosigkeit, hervorgerufen durch all die unterschiedlichsten Pestizide, Fungizide und Herbizide. Ab nächstem Jahr sollen die Neonicotinoide wieder zugelassen sein. Na dann, "Prost, Mahlzeit".

Politikerinnen und Politiker sind für mich eine ganz spezielle Gattung von "Nichtstuern" und "rhetorischen Schaumschlägern" beziehungsweise "Dampfplauderern" ohne konkreten Nutzen. In diesem Sinn kann ich nur hoffen, dass unsere Naturschutzgebiete, auch und besonders wegen der "Energiewende", unangetastet bleiben.

Anton Wurzer92648 Vohenstrauß
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