"In Teunz wird gedacht"

Erst der Schock, dann das Aufatmen: Als die Klug GmbH Insolvenz anmelden musste, hatten die 300 Mitarbeiter schlimmste Befürchtungen. Würde es das Aus bedeuten, kommt eine Heuschrecke? Es kamen die Österreicher von TGW aus Wels - und mit Ihnen ein Kenner der Region: der Weidener Harald Schröpf, 49. Der Physiker kam nicht als Besserössi, sondern als Partner für den Neustart.

Sie hatten mit Klug schon einige Projekte zusammen durchgeführt, bevor die TGW Logistics Group die Klug GmbH im Juli 2014 übernahm - die Begründung: TGW will die Stellung als international führender Systemintegrator stärken. Welcher Beitrag ist dabei von Klug, welcher von TGW?

Schröpf: Klug war ein wichtiger Partner, stark im Bereich der Software, die einen wesentlichen Bestandteil der Anlagen darstellt. Wir haben Referenzen wie Kaufland, Jack Wolfskin, Bestseller. CoOp in der Schweiz wird zum Großteil mit Teunzer Software bestückt - das größte Projekt der Firmengeschichte.

Klug, 1995 gegründet, zuletzt 30 Millionen Euro Umsatz mit 300 Mitarbeitern - was ist schiefgelaufen? Was muss korrigiert werden?

Schröpf: Im Wesentlichen war das Wachstum der Firma Klug zu aggressiv. Wahrscheinlich hat man sich auch mit dem Generalunternehmergeschäft überhoben. Das lag nicht an der Kompetenz der Mitarbeiter oder der Qualität der Produkte. Die Bestandskunden sind nach wie vor sehr loyal, die Mitarbeiter haben ein hohes Ansehen. Wir sind erfolgreich zum Zuge gekommen, weil wir ein gutes Käuferkonzept, ein gutes strategisches Konzept hatten und einen guten Preis an den Insolvenzverwalter mittelten. Klug war unser Lieferant und Kunde zugleich, beide Firmen kannten sich über einige Jahre. Wir passen gut zusammen. Wir haben von 300 Mitarbeitern inklusive der Azubis 260 übernommen. Teunz ist im Gesamtverbund schon ein größerer Standort.

Welche Rolle spielt der Standort Teunz künftig?

Schröpf: Die Firma heißt jetzt TGW Software Services, das sagt einiges. Das ist ein hochwertiger Standort im Bereich IT und Steuerungssoftware. Wir haben ihn als Entwicklungs- und als Dienstleistungsstandort ausgelegt. Die Mitarbeiter entwickeln neue Software und bauen Steuerungen für konkrete Projekte hier zusammen. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Dienstleistung für IT und Automatisierung, ein absolut stabiles Geschäftsmodell, weil diese innerhalb der TGW stark nachgefragt werden. Zusätzlich haben wir in Teunz eine Gruppe, die sich zusammen mit den österreichischen Kollegen um das Generalunternehmergeschäft im deutschen Markt kümmert.

Hier entstehen keine Altlasten, hier wird gedacht. Wir haben eine Solaranlage am Dach und eine Wärmepumpe. Das Gebäude haben wir inzwischen gekauft - auch ein Signal an die Mitarbeiter für die Langfristigkeit unseres Engagements.

Wie wird der Standort Teunz künftig von Österreich aus gesteuert, wie viel Selbstständigkeit bleibt?

Schröpf: Teunz ist eine GmbH, als solche vollkommen eigenständig, was das operative Geschäft angeht. Grundlagen wie das Geschäftsmodell werden vorgegeben. Ich bin gerade als Welser Vertreter hier, aber man kann das nicht auf Dauer aus der Ferne kontrollieren. Es gibt Bestandskunden, ein eigenständiges Geschäft in der Betreuung, Service und Wartung. Auch die Hotline ist ein attraktiver Zweig.

Wie haben Sie das Übernahmemanagement gestaltet - konnten Sie sich darauf vorbereiten?

Schröpf: Darauf vorbereiten kann man sich auf die Insolvenz eines Lieferanten nicht wirklich. Wir kannten einen Teil der Leute. Und dann sind Oberösterreicher und Oberpfälzer von der Mentalität nicht meilenweit entfernt. Wir sind nicht die großen Retter aus Österreich keine Heilsbringer, sondern wollen gemeinsam die Firma wieder in Schwung bringen. Die Herausforderung besteht darin, Vertrauen zu gewinnen.

Mussten die Mitarbeiter Einschnitte hinnehmen?

Schröpf: Im Grundsatz haben wir als TGW die Verpflichtungen 1:1 übernommen, Gehälter bleiben gleich, die persönlichen Einbußen sind sehr begrenzt. Wir versuchen, fair zu entlohnen. Man könnte auch ein ganz anderes Sanierungsprogramm fahren. Das tun wir nicht, weil wir an der Zukunft arbeiten.

Klug lieferte Iwacs-Software für Bestseller, Jack Wolfskin, Weltbild und Wago - was kann die Software?

Schröpf: Die Iwacs-Lagerverwaltungssoftware steuert alle Prozesse innerhalb des Lagers wie den Materialfluss oder die Kommissionierung. Die Software weiß, wo sich zum Beispiel ein Buch befindet, fährt es zu einem Arbeitsplatz, danach mit einem Umschlag und Ihrer Adresse zum Warenausgang. Der Vorgang ist weitgehend automatisiert. Das gilt natürlich auch für andere Produkte in Abwandlung. Von TGW kommt alles, die komplette Fördertechnik, die Steuerung und die Software.

Was unterscheidet Oberösterreicher und Oberpfälzer?

Schröpf: Oberösterreicher sind a bisserl weniger bierernst. Aber das sind Nuancen. Uns ist wichtig, dass die Menschen hier, die unser Unternehmen noch nicht so kennen, mitbekommen, dass TGW ein verlässlicher Partner ist.

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Das Interview in voller Länge lesen Sie auf:

http://www.oberpfalznetz.de/standort
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