Individualität wird untergraben
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Waldfriedhof: Bilder verboten" vom 8. September schreibt eine Bestattermeisterin:

"Ein Volk wird beurteilt, wie es seine Toten bestattet", sagte schon der griechische Staatsmann Perikles. Wie wird heute bestattet? In Zeiten, in denen anonyme Bestattungen und Kremationen stetig steigen und Gräber teilweise vor der Ruhefrist eingeebnet werden, ist es verwunderlich, dass minimale individuelle Grabgestaltungen wie das Anbringen von Porzellanbildern oder Glaseinsätzen in Grabsteinen auf dem Weidener Waldfriedhof nicht erlaubt sind.

Zumal bereits die Maße der Liegesteine und stehenden Steine exakt vorgeschrieben sind. Auch sind die Bearbeitungsarten (z.B. keine polierten Steine, keine Schriften in Gold) reglementiert. Warum auch immer! Sogar gegen liegende Findlinge wehrt sich die Friedhofsatzung. Hier wäre doch bereits eine "naturbelassene" Gestaltung gegeben. Ein Friedhof bzw. ein Denkmal lebt doch von der Kreativität der Grabbesitzer. Dadurch ist erst eine Vielfalt auf dem Friedhof möglich.

Der Waldfriedhof lädt aufgrund seiner Idylle zum Verweilen oder auch zum Spazierengehen ein, und eine - in kleinen Bereichen - individuelle Gestaltung bringt hier doch auch Abwechslung. Natürlich ist es verständlich, dass ein gewisses Maß an Regeln eingehalten werden muss, um ein geordnetes Gesamtbild zu erhalten. Aber diese Kleinigkeiten, die eine persönliche Gestaltung untergraben, sollten doch, wenn schon auf dem Stadtfriedhof erlaubt, ebenso auf dem Waldfriedhof möglich sein.

Christine SchmidtSteinmetz/BestattermeisterinVohenstrauß

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