Innenstadt-Läden profitieren vom Weihnachtsgeschäft
Kaufrausch vorm Fest

Der Handelsverband Deutschland (HDE) äußert sich optimistisch zu den Aussichten fürs Weihnachtsgeschäft. Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Abwechslungsreich ist es nicht, was jedes Jahr unter deutschen Weihnachtsbäumen landet. Häufig sind Gutscheine und Bücher, vielen Schenkern fehlen Ideen. Das kommt Innenstadt-Läden zugute.

Berlin. Ihren Weihnachtseinkauf könnten viele Deutsche eigentlich am Bankautomaten erledigen. Abheben, Schleifchen drum, fertig. Geld steht Umfragen zufolge nämlich auf den Wunschzetteln ganz oben. Doch Geldgeschenke sind als fantasielos verpönt. Für die Innenstadt-Läden beginnt daher mit dem Weihnachtsgeschäft die wichtigste Zeit. In den letzten Wochen des Jahres machte der Handel 2015 fast ein Fünftel seines Jahresumsatzes (87,7 Milliarden Euro). Laut Wirtschaftsberatung Ernst & Young (EY) wird etwa die Hälfte der Geschenke jetzt gekauft.

Rekord angepeilt


Heuer prognostiziert der Einzelhandelsverband HDE sogar 91,1 Milliarden Euro Umsatz für November und Dezember - ein Rekord. "Selten war die Ausgangslage für das Weihnachtsgeschäft so günstig wie in diesem Jahr", sagt Verbandspräsident Josef Sanktjohanser. Das liegt auch am Kalender, denn im Dezember gibt es zwei umsatzstarke Freitage und Samstage mehr als 2015.

Jedes Jahr gehen die Prognosen, wie viel Geld die Deutschen für Weihnachtsgeschenke ausgeben wollen weit auseinander. Denn viele Kunden wissen im Voraus gar nicht, wie viel sie - spätestens beim hektischen Last-Minute-Einkauf - letztlich wirklich springen lassen. Zwischen 239 und 477 Euro liegen die Umfragewerte diesmal. Fast alle Institute glauben, dass das Geld lockerer sitzt als im vergangenen Jahr. Auch Marktforscher sehen noch kein Ende der Kauflust. Von stabiler Konjunktur, gutem Arbeitsmarkt und kaum lohnenswerter Zinsen werde sicher auch das Weihnachtsgeschäft profitieren, sagt Nielsen-Deutschland-Chef Ingo Schier voraus. Selbst die GfK, zuletzt beim Konsumklima etwas pessimistischer, sieht keinen Grund zur Sorge.

Besonders häufig klingeln die Kassen zur Weihnachtszeit bei Spielzeug, Büchern und Unterhaltungselektronik. Da ändert sich nicht viel. Kleidung ist nicht mehr so gefragt. Vor allem ältere Menschen, die sich in der digitalen Welt nicht so auskennen, wüssten deshalb oft nicht mehr, womit sie Jugendlichen eine Freude machen könnten, so Ernst & Young. Der Ausweg: Geldgeschenke und Gutscheine. Dass Schenkern die Ideen fehlen, hilft den arg gebeutelten Läden. Zwischen Lichterketten und Glühweinduft kommt beim Schaufensterbummel oft der rettende Einfall. Rund 70 Prozent gaben in den Umfragen von EY und Deloitte an, ihre Geschenke im Laden zu kaufen.

Der HDE erwartet im Online-Weihnachtsgeschäft trotzdem ein Wachstum von mehr als zehn Prozent. Dafür rüsten sich die Paketzusteller und stellen mehr als 20 000 Aushilfskräfte ein. Die werden auch im November gut zu tun haben. Im Internet werde nämlich inzwischen nicht mehr geballt kurz vor den Feiertagen eingekauft, sagt Post-Chef Frank Appel.
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