Integration ist hier kein Probelauf
Briefe an die Redaktion

Der Förderverein des Kinderhauses Tohuwabohu möchte in der Diskussion zur Zukunft der Kindertagesstätte Stellung beziehen:

"Je suis Charlie" wird im Tohu täglich gelebt, so, wie es (überall) sein soll(te): natürlich sind wir bunt, was denn sonst? Alle Kinder kriegen vielerlei Unterstützung, Liebe, Zuwendung und finden Freunde, egal ob ihre Muttersprache Deutsch ist oder nicht, egal ob sie besonderer Förderung bedürfen oder nicht, egal ob sie im Kleinkind- oder im Schulalter sind.

Nun mag man sagen, dass auch konfessionell gebundene Kindertagesstätten diese Arbeit leisten können. Und doch besteht ein Unterschied. Ein nicht-kirchlicher Kindergartens mag die eine oder andere Familie zum Zuzug nach Weiden bewogen haben. Im Vergleich mit einer Großstadt kann Weiden mit kurzen Wegen, niedrigen Lebenshaltungskosten, (noch) mit kulturellen Einrichtungen und eben auch mit einer verhältnismäßig weit voran geschrittenen Integration von Minderheiten (egal ob religiöser oder ethnischer Art) überzeugen.

Inklusion ist in aller Munde. Im Tohu ist sie längst Normalität und braucht keinen Probelauf mehr. Sind sich die Stadträte, sind sich die Einwohner Weidens und die Prüfer dessen bewusst? Warum bemühen sich viele der Stadträte, wenn überhaupt, nur an wenigen Tagen zu einem Besuch in ihrem Kinderhaus? Sehen sie das überhaupt als ihr Kinderhaus? Warum ist man auf die unglaublich liebevollen, ausdauernden Mitarbeiterinnen im Tohu nicht stolz?

Die Köchinnen kochen täglich ein frisches Essen. Für arbeitende Eltern stellt solch ein gesundes Mittagessen eine echte Entlastung dar. Es ist ein ehrlicher Beitrag zur vielbeschworenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es gibt nicht wenige Familien, die beim Schuleintritt auf das Schulmittagessen verzichten, weil dort das Essen nicht gut ist! Das bedeutet aber, dass ein Familienmitglied mittags zu Hause sein muss; und das sind immer noch meistens die Mütter.

Dass die Architektur des Tohu kostspielig ist, ist kein Geheimnis. Nun gibt die Haushaltskasse den Unterhalt dieses freundlichen und schlichtweg schönen Hauses nicht mehr her. Sicher ist eine bezahlbare Lösung nicht einfach zu finden, aber man sollte sich zumindest sträuben so ein Haus aus der Trägerschaft zu geben. Der Förderverein hat regelmäßig große und kleine Summen für Anschaffungen, Ausflüge und Reparaturen zur Verfügung gestellt. Wir werden das auch weiterhin tun (wenn man uns nicht vorher die Existenzberechtigung entzieht...). Aber wird sind auf Unterstützung von denen angewiesen, denen eine gute Ausbildung von klein auf am Herzen liegt.

Jessica Tannenbaum, Schriftführerin des Fördervereins Kinderhaus "Tohuwabohu"

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