Ist der "Ostbayernring" wirklich notwendig? Im Widerspruch zu einer ökologischen Energiewende

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Ist der Neubau des "Ostbayernrings" wirklich notwendig? Der von Tennet beschriebene Umstand, dass für die Versorgungssicherheit in Oberfranken und Oberpfalz die Transportkapazität erhöht werden muss, ist bei genauer Betrachtung schwer nachvollziehbar. Dass eine Region, die in den nächsten Jahren eine deutlich abnehmende Bevölkerung zu erwarten hat (laut Bayerischen Statistischen Landesamt in Oberfranken minus 10 Prozent) deutlich steigende Zuleitungs-Kapazitäten benötigt, erschließt sich mir nicht. Außerdem ignoriert dieser Ansatz den Grundsatz einer sinnvollen ökologischen Energiewende "so dezentral wie möglich und so zentral wie nötig".

Die Notwendigkeit des Neubaus des "Ostbayernrings" beruft sich auf die Bedarfsanalyse des Netzentwicklungsplans (NEP). Der NEP wurde von den vier Übertragungsnetz-Betreibern (Amprion, TransnetBW, Tennet und 50 Hertz) erstellt. Den Investoren wird für die Investitionskosten von der Bundesnetzagentur 9,5 Prozent Kapitalverzinsung garantiert. Ein überhöhter Netzausbau nach dem Motto "Besser zu viel als zu wenig" wäre für die Investoren (und Netzbetreibern) durch die zugesicherte Rendite von Vorteil. Vor allem in Zeiten, wo günstiges Kapital zur Verfügung steht (Ein Schelm, der Böses denkt).

Der Öffentlichkeit wird erklärt, die wachsende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom in der Region mache es notwendig, die Leitungskapazität des "Ostbayernrings" zu erhöhen. Klingt überzeugend, ist aber leider falsch. Photovoltaik- und Biomasseanlagen sowie kleine Onshore-Windparks sind auf Nieder- und Mittelspannungsebene angeschlossen und belasten somit nicht die Übertragungsnetze. Hauptsächlich Großkraftwerke (Kohle, Gas, Atom) und die großen, zentralen Offshore-Windparks speisen ihre Energie direkt in das Übertragungsnetz ein.

Das "Marktmodell" der Übertragungsnetz-Betreiber unterstellt, dass auch bei Starkwindlage jede erzeugte Kilowattstunde Windkraftstrom gesichert ins Übertragungsnetz eingespeist werden kann, ohne das gleichzeitig die Stromerzeugung aus Braunkohle reduziert werden muss. Eine Reduktion der Stromerzeugung aus Kohle bleibt bei diesem Modell ohne Berücksichtigung. Dieses Modell schreibt die Stromerzeugung aus Kohle weiterhin fest und widerspricht somit den eigentlichen Zielen der Energiewende (C02-Reduktion).

Die im aktuellen Berliner Koalitionsvertrag vorgesehene Möglichkeit der Abregelung von seltenen Windspitzen ist bei den derzeitigen Netzausbauplanungen ganz und gar unberücksichtigt, obwohl dadurch der Netzausbaubedarf deutlich verringert werden könnte. Deutschland erzielte 2013 einen Rekord-Nettostromexport, der 2014 noch deutlich übertroffen werden wird. Durch einen weiteren überdimensionierten Netzausbau wird dieser Export nochmals erhöht werden. Quersubventionierter Strom wird zu Dumpingpreisen ins Ausland verkauft und in letzter Instanz zahlt der deutsche Stromverbraucher über Umlagegebühren diese Quersubventionierung.

Nutznießer sind die Großstromkunden, Großkraftwerksbetreiber und die Übertragungsnetzbetreiber. Nebenbei muss noch erwähnt werden, dass für den Neubau in bestehender Trasse 300 bis 400 Hektar Wald gerodet werden muss.

Konrad Plank Fensterbach/Dürnsricht
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