Italien nach dem Erdbeben: Nur noch Schutt und Trauer
Helfer im Wettlauf gegen die Zeit

Die Hoffnungen waren groß, dass es nicht so kommt. Doch die Zahl der Toten nach dem Erbeben in Italien steigt weiter. Mit jeder Stunde sinken die Chancen, noch Überlebende zu finden.

Rom/Amatrice. Bei dem verheerenden Erdbeben in Italien könnten mehr als 300 Menschen gestorben sein. Was die Opferzahlen angeht, könne das Beben "noch schlimmere Dimensionen erreichen als jenes in L'Aquila" vor sieben Jahren, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio. Damals kamen 309 Menschen ums Leben.

Für die Retter war es ein Wettlauf gegen die Zeit, einen Tag nach dem Beben einer Stärke von mehr als 6 noch Überlebende zu finden. Hunderte Nachbeben erschwerten die Arbeiten. Gleichzeitig bekam Kritik an dem Umgang des Landes mit dem Erdbebenschutz neue Nahrung. Die meisten Toten gab es in den Orten Amatrice und Accumoli in der Region Latium und in der Gegend um Pescara del Tronto in den Marken. 270 Menschen wurden verletzt und in Krankenhäusern behandelt.

Wie viele Menschen noch verschüttet oder vermisst sind, ist unklar. "Es ist unmöglich, eine Zahl der Vermissten zu nennen", sagte Zivilschutzchef Curcio. Viele seien auf der Durchreise oder im Urlaub in den betroffenen Orten gewesen. Sie liegen zwischen den Regionen Latium, Umbrien, den Marken und den Abruzzen. Vor allem viele Italiener machen dort Urlaub.

Fahnen auf halbmast


Aber auch Ausländer kamen ums Leben, die Außenministerien in Madrid und Bukarest bestätigten den Tod eines spanischen und fünf rumänischer Staatsbürger. Von deutschen Opfern ist bisher nichts bekannt. Das Auswärtige Amt in Berlin stand mit der Botschaft in Italien in Kontakt. Die Rettungsarbeiten gingen die ganze Nacht mit Taschenlampen, Baggern und Spürhunden weiter. Die Feuerwehr konnte mehr als 200 Menschen lebend aus den Trümmern ziehen. Immer wieder wurden aber Leichen geborgen. Allein in Amatrice waren es 200 bis zum Morgen, sagte der Bürgermeister. Die Feuerwehr erklärte, die Zufahrt zum Ort sei schwierig. Neue, teils starke Nachbeben erschreckten die Überlebenden. In Italien wurden an vielen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt.

Durch die Erdstöße wurden auch nach dem Beben in L'Aquila neu aufgebaute Häuser leicht beschädigt. An gerade erst fertiggestellten Fassaden bildeten sich Risse, allerdings meist oberflächlich, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Rufe nach besseren Vorsorgemaßnahmen wurden laut, Italien müsse erdbebensicher werden, sagte zum Beispiel der frühere Regierungschef Romano Prodi. "Es wäre nötig, alle privaten Häuser auf Erdbebensicherheit zu überprüfen", sagte Gianpaolo Rosati, Direktor des Mailänder Polytechnikums.

Tausende ohne Obdach


Tausende Menschen in den betroffenen Orten sind obdachlos, nachdem ihre Häuser eingestürzt sind. In Notunterkünften wie Zelten verbrachten viele die Nacht. Jedoch hätten viele das Angebot, dort unterzukommen, nicht angenommen, so der Zivilschutz. Manche hätten in Autos übernachtet. Medien berichteten auch von einigen Fällen von Plünderungen. In Pescara del Tronto habe die Polizei ihre Kontrollen verstärkt.

Der Bürgermeister des hart getroffenen Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, machte den Überlebenden Mut. "Jetzt gibt es einen Moment der Verzweiflung, aber wir glauben an uns. Wir sind hartnäckige Bergbewohner und wir werden das schaffen", sagte er.
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