Jugendmagazin hält sich mit Facebook und Youtube weiter jung
„Bravo“ wird 60

Die Bildkombo zeigt die erste "Bravo" vom 26.08.1956 und vom 20.01.1969 mit Uschi Glas. Bild: dpa

Die "Bravo" ist in die Jahre gekommen. Zwar versucht sich das Jugendmagazin mit Facebook und Youtube weiter jung zu halten. Aber den einstigen Kultstatus hat das Blatt wohl kaum noch.

Berlin. Star der Woche: Karl-Heinz Böhm, Filmtipp: "Wo der Wildbach rauscht" und Neues von Heinz Rühmann. Was nach Senioren-Beilage klingt, waren die total angesagten Aufmacher-Themen des ersten Jugendmagazins der Bundesrepublik: "Bravo", der "Zeitschrift mit dem jungen Herzen", so der damalige Untertitel. Vor bald 60 Jahren, am 26. August 1956, erschien die 1. Ausgabe zum Preis von 50 Pfennig. Auflage 30 000 Stück.

Von Elvis zu Britney Spears


Ihren rasanten Aufstieg verdankt die "Bravo" einem für die 50er Jahre revolutionären Konzept: Was erfolgreich ist, ist berichtenswert, ist gut. Jazz, vielfach noch als "Negermusik" verpönt, sowie englische Songs aus den Ländern der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs wurden dank "Bravo" salonfähig. 1966 holte das Teenie-Blatt die Beatles zur Blitz-Tournee nach Deutschland. In der 13. Ausgabe begann mit "Brigitte Bardot in 11 Teilen" der Promi-Wettstreit um die Kinderzimmerwände. Elvis, Roy Black, die Stones, E.T., Michael Jackson und Britney Spears folgten. Zum Kölner Weltjugendtag 2005 schaffte es sogar Benedikt XVI. als erster Papst mit einem Megaposter in die Bravo. Weiterer "Markenkern" sind Dr. Sommers Tipps zu Liebesleben, Kondomen und zum "ersten Mal". Seit Bravo seine legendäre Aufklärungs-Rubrik 1969 ins Leben rief, haben nicht nur kirchliche Sittenwächter manches Mal Alarm geschlagen. Inzwischen gibt es kaum noch moralische Empörung, sogar Einladungen zu Kirchentagen und katholischen Akademien erreichten das aus Psychologen und Pädagogen bestehende Dr. Sommer-Team im Laufe der Jahre. Der erste und dienstälteste "Dr. Sommer" war übrigens im wahren Leben Religionslehrer.

Sexting-Chat mit 13


Schaut man sich aktuell die Fragen an, hat man den Eindruck, dass die Qualen der Pubertät ehernen Gesetzen zu folgen scheinen: Ab welchem Alter darf ich Binden und Tampons kaufen? Ist es schlimm, wenn man nicht weiß, wann man die letzte Periode hatte? Auf meiner Unterhose habe ich Schleim gesehen, was bedeutet das? Folgende Frage hingegen ist der Jugend des 21. Jahrhunderts eigen: "Ich habe einen Sexting-Chat mit meinem Kumpel. Ist das schlimm, weil wir beide erst 13 sind?"

2014 vollzog das Blatt einen Relaunch zum "Social Magazine" und bespielt seitdem verstärkt Facebook (knapp 956 000 Likes), Twitter (210 000 Follower), Instagram (241 000 Abonnenten) und seit 2016 auch Whatsapp und Snapchat. Die Print-Ausgabe hingegen erscheint nur noch alle zwei Wochen. Die sinkende Auflage liegt inzwischen bei rund 131 000 Exemplaren, vor zehn Jahren waren es immerhin noch 510 000. Der Status eines millionenfach gelesenen Kult-Blattes scheint definitiv dahin.
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