Juristischer Erfolg für rauchenden Rentner
Adolfs darf weiterrauchen

Raucher Friedhelm Adolfs pafft vor dem Landgericht in Düsseldorf eine Zigarre. Adolfs (78) hat im Rechtsstreit um den geplanten Rauswurf aus seiner Wohnung einen endgültigen Erfolg erzielt. Bild: dpa

Lizenz zum Weiterqualmen: Der rauchende Rentner Friedhelm Adolfs geht im jahrelangen "Kippen-Krieg" mit seiner Vermieterin als strahlender Sieger aus dem Gerichtssaal - und steckt sich eine an.

Düsseldorf. Die Finger zum Siegeszeichen gespreizt, in der anderen Hand eine dicke Zigarre. Raucher Adolfs hat es nach mehr als drei Jahren Prozessdauer doch noch geschafft. Der 78-Jährige darf in seiner Wohnung bleiben - die fristlose Kündigung seiner Vermieterin ist praktisch vom Tisch. Das Düsseldorfer Landgericht weist ihre Klage wegen seines Rauchverhaltens, das für die Nachbarn unzumutbar sei, am Mittwoch ab und lässt keine Revision zu (Az.: 23 S 18/15). Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, dass der Bundesgerichtshof den Fall aber noch einmal auf den Kopf stellt, gilt nach den Hinweisen der Bundesrichter als extrem unwahrscheinlich.

Erleichterung nach Urteil


Blitzlichtgewitter, Umarmungen und Schulterklopfen vor Saal 2 119. "Die Erleichterung ist sehr groß", bekennt der schmächtige Rentner, der sich für den Termin in Schale geworfen hat: Nadelstreifen-Anzug, Krawatte und blaues Hemd. "Ich brauche jetzt nicht von heute auf morgen raus, das ist schon mal gut. Einmal musste es ja zum Schluss kommen." Als die Anspannung von ihm abfällt, ist Adolfs sichtbar den Tränen nahe, seine Augen werden feucht: "Schöner kann es mir gar nicht gehen."

Nach der Anhörung von 13 Zeugen in der vom Bundesgerichtshof angeordneten Beweisaufnahme hatten sich die dunklen Wolken bereits gelichtet. Den zuvor siegreichen Anwältinnen der Vermieterin schwammen bei der Neuauflage des Falls vor dem Landgericht die Felle davon. Die von Adolfs aufgebotenen Zeugen teilten unisono mit, nichts von Rauchschwaden und unerträglichem Gestank bemerkt zu haben, wenn sie ihn besuchten. Der habe eifrig gelüftet. Und wenn doch, dann seien es andere gewesen, die im Hauseingang geraucht hätten - nicht der Witwer.

Adolfs selbst hatte Profitstreben hinter dem Vorgehen der Vermieterin vermutet: Die wolle vermutlich bloß seine Wohnung in lukrativen Büroraum umwandeln. Seine unmittelbaren Nachbarn hätten sich jedenfalls überhaupt nicht beschwert. "Die Sache ist rechtlich relativ eindeutig", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. "Mieter müssen ausreichend lüften. Das gilt nicht nur für Zigarettenrauch, auch etwa für extremen Knoblauchgeruch." Wer sich daran halte, der dürfe rauchen. "Die eigenen vier Wände sind schließlich der letzte Rückzugsort für Raucher."

Verhalten sozialverträglich


Sogar aus Sicht des Eigentümerverbandes Haus & Grund ist das Urteil "juristisch nachvollziehbar": "Wenn die Belästigung nicht beweisbar ist, muss man das so hinnehmen", sagt Sprecher Alexander Wiech. Das Urteil sei dennoch kein Freibrief: "Mieter müssen sich sozialverträglich verhalten." Zuvor hatte Adolfs vor dem Amtsgericht und dem Landgericht Niederlagen erlitten. Beide hatten die Kündigung nach mehr als 40 Jahren Mietdauer bestätigt. Adolfs habe seine Nachbarn in dem Mehrparteienhaus unzumutbar belästigt und so ihre Gesundheit gefährdet, hieß es. Nach dem Tod seiner Frau soll er die Wohnung kaum gelüftet haben. Der Qualm sei in den Hausflur gezogen, berichtete der Hausverwalter.

Der Streit war zum bundesweit diskutierten Politikum geraten. Millionen Raucher sahen sich in der Defensive gegen einen immer schärferen Nichtraucherschutz. Ob er jetzt, wo er darf, dort langfristig weiter wohnen bleibe, wisse er noch gar nicht so genau, sagt Adolfs. Erst als die Frage kommt, ob er nun nicht doch etwas weniger rauchen wolle, blitzen seine Augen wieder angriffslustig: "Um Gottes Willen - auf keinen Fall."
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