Kachelmann mit guten Chancen auf Schadenersatz
Wettermann will Makel loswerden

Jörg Kachelmann hatte nach dem Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen seine Ex-Geliebte auf Schadenersatz verklagt. Bilder: dpa

Frankfurt. Wetterfachmann Jörg Kachelmann hat nach seinem Freispruch vor dem Strafgericht nun zivilgerichtlich gute Chancen auf Schadenersatz. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt deutete am Mittwoch an, der Klage des 57-Jährigen gegen seine Ex-Geliebte stattzugeben. "Wir halten die Klage für durchaus berechtigt", sagte der Vorsitzende Richter am 18. Senat, Thomas Sagebiel, am Mittwoch. "Grundsätzlich scheint uns das Hand und Fuß zu haben."

Kachelmann verlangt von seiner Ex-Geliebten mehr als 13 000 Euro für Gutachten, mit denen er sich im Strafprozess gegen ihren Vergewaltigungsvorwurf verteidigt hatte. Kachelmann war vor fünf Jahren vom Landgericht Mannheim freigesprochen worden. In Frankfurt kämpft er nun in zweiter Instanz um Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das dortige Landgericht Frankfurt hatte seine Zivilklage 2013 abgewiesen.

Unwahrheit nachweisen


In dem Verfahren vor dem OLG muss der 57-Jährige beweisen, dass seine frühere Freundin die Unwahrheit gesagt hat. Es geht dabei um Verletzungen, die ihr angeblich Kachelmann in jener Nacht vor rund sechs Jahren zufügte. Das OLG hatte zur Klärung dieser Fragen den Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt, Marcel Verhoff, bestellt. Alle sechs Verletzungen der Frau könnten zwar "durch fremde Hand oder Unfallgeschehen entstanden sein", sagte Verhoff vor Gericht. "Es spricht hier aber deutlich mehr für Selbstbeibringungen", sagte er mit Blick auf das "Gesamtverletzungsbild" in seiner fast dreistündigen Anhörung am Mittwoch. Am Küchenmesser, das Kachelmann ihr angeblich an den Hals hielt, hätten auch Partikel mit ihrer DNA gefunden werden müssen. Dies war jedoch nicht der Fall.

Das Verfahren wird am 1. März fortgesetzt. Ein Urteil werde dann offenbar aber noch nicht verkündet, sagte Sagebiel. Der dreiköpfige Senat müsse sich überlegen, ob weitere Beweismittel notwendig seien. Das Urteil des OLG wäre rechtskräftig.

Kachelmanns Anwältin Ann Marie Welker lobte die Gründlichkeit des Gerichts und des Gutachters. "Kachelmann ist ein viel größerer Schaden entstanden. Das ist monetär auch nicht mehr gut zu machen, was ihm angetan worden ist." Er sehe sich nach dem Freispruch nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" immer noch mit einem Makel behaftet. "Das ist es, was hier beseitigt werden soll." Der Anwalt der Ex-Geliebten Kachelmanns, Manfred Zipper, nannte Verhoffs Gutachten "spekulativ" und kündigte an, ein eigenes in Auftrag geben zu wollen.
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