Kampagne für gutes Schul- und Kita-Essen
Nur zweimal Fleisch pro Woche

Nudeln mit Tomatensoße gehen immer als Mensa-Essen. Doch es darf ruhig etwas abwechslungsreicher sein. Bild: dpa

Es ist nicht die erste Kampagne für gutes Schul- und Kita-Essen, laut Ernährungsminister Christian Schmidt aber die größte, die es in Deutschland je gab. Wie wird die Verpflegung in Schulen und Kitas bisher organisiert? Und was soll sich ändern?

Berlin. Zu viel Fleisch und zu selten Gemüse - an vielen Schulen und Kitas gelten nicht die empfohlenen Qualitätsstandards. Dick- und Fettleibigkeit kosteten das Gesundheitswesen jährlich 17 Milliarden Euro, sagt Ernährungsminister Christian Schmidt. Der CSU-Politiker startet nun eine weitere Kampagne und will "Dampf machen", um für besseres Mittagessen für Kinder zu sorgen. Auch Qualitätssiegel für Caterer sollen kommen. Die Grünen und die Verbraucherorganisation Foodwatch sind skeptisch und befürchten, dass am Ende nur heiße Luft herauskommt.

Um welche Größenordnung geht es?

Nach Angaben der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg gehen gegenwärtig bundesweit 2,8 Millionen Kinder im Alter bis zu sieben Jahren in die derzeit mehr als 54 000 Kitas. Dort kämen täglich mehr als zwei Millionen Essen auf den Tisch - Tendenz steigend. Zusammen mit den Schulen gehe es um schätzungsweise fünf Millionen Mahlzeiten. Der Bund kann allenfalls Leitplanken setzen, Schulen sind Ländersache. Es gibt den Angaben zufolge mit Berlin nur ein einziges Bundesland, das Schulessen per Gesetz regele. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es dies für Kitas.

Wie wird Schul- und Kita-Essen organisiert, gibt es Fachpersonal?

Die meisten Schulen und Kitas lassen sich das Essen liefern. Nur in rund 30 Prozent der Kindertagesstätten werde vor Ort gekocht. 55,4 Prozent beziehen der Studie zufolge Warmverpflegung - also Speisen aus einer Zentralküche, die in Thermobehältern transportiert werden.

"Das ist schon eine gewissen Hürde", sagt Hochschulexpertin Prof. Ulrike Arens-Azevedo. Zudem verfügten nur 38,4 Prozent der Kitas über "einschlägiges Fachpersonal", das für den Speiseplan zuständig sei. Nur wenige hätten auch voll ausgestattete Küchen.

Um wie viel Geld geht es eigentlich beim Schul- und Kita-Essen?

Ende 2014 hatten Studien ergeben, dass ein Mittagessen im Schnitt 2,83 Euro in Grundschulen und 3,05 Euro in weiterführenden Schulen kostet. Manche öffentliche Schulträger geben Zuschüsse. An Kitas müssten Eltern im Mittel aktuell nur 2,42 Euro zahlen, sagt Arens-Azevedo: "Diese Größenordnung verblüfft." Eigentlich seien weit höhere Preise nötig. Einige Länder sind immerhin bereit, Zuschüsse zu zahlen oder teils kostenlos Mittagessen anzubieten.

Was schlagen Experten für Kita-Essen vor?

Für eine gesunde Ernährung, die auch Übergewicht bei Jungen und Mädchen vorbeugt, gibt es als Empfehlung einen Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Danach sollte es täglich Gemüse und Salat geben - genauso kalorienarme Getränke wie Wasser. Jedes Mal dabei sein sollten auch Getreide und Kartoffeln in abwechselnden Varianten.

Nur maximal zweimal pro Woche sollten Fleisch und Wurst auf den Tisch kommen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch moniert, dass die DGE-Empfehlungen zuvor von Lobbyisten der Lebensmittelwirtschaft verwässert worden seien.

Wie bekannt sind diese DGE-Standards überhaupt?

Nach der Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sind die DGE-Standards gerade einmal 29 Prozent der Kitas bekannt. Und beim Gemüseangebot seien Kitas zwar schon "relativ gut". 100 Prozent der Standards erreichten aber nur 6,5 Prozent der Kitas. Fleisch werde nach wie vor "leider" noch zu viel angeboten, auch bei Salat und Rohkost werde der Standard noch nicht erreicht.

Wie will Minister Schmidt gegensteuern?

Er pocht auf einen "gesellschaftlichen Pakt". Mit der nach seinen Worten "größten Qualitätsoffensive für gesunde Ernährung in Kitas und Schulen, die es in Deutschland je gab", sollen die DGE-Standards in allen Kitas und Schulen etabliert werden. Ein "Nationales Qualitätszentrum Schulverpflegung" soll noch 2016 kommen. Das soll dann auch Zulassungsverfahren für die Caterer-Firmen entwickeln.

Kommt also eine Art TÜV für Catering-Firmen?

Ja. Nach den Vorstellungen Schmidts soll es entsprechende Siegel geben für Lieferanten. Schulen und Kita-Träger schreiben die Lieferungen aus. Schmidt will dafür ein Vertragsmuster anbieten, um ein gesundes Essen auch wirklich zu garantieren. Um die Auswahl der Caterer zu erleichtern, soll es zusätzlich Zertifikate für die Bewerber geben. Die sollen für Lieferanten freiwillig sein. Bei einem Siegel gelten dann aber verbindliche Vorgaben.

Muss sich Essen angesichts steigender Flüchtlingszahlen ändern?

Schmidt selbst bringt das Thema zur Sprache. Aus seiner Sicht sind keine Umstellungen nötig. Es sollte auch nicht der Weg des geringsten Widerstandes gegangen und nur Hühnerfleisch oder Fisch angeboten werden. "Es kann deswegen nicht sein, dass wir Schweinefleisch komplett aus Kindertagesstätten und Schulen verbannen." Hier sei vielmehr Kreativität gefragt.
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