Karfreitag hilft dem Menschen bei "Entschleunigung"

Zum Tanzverbot am Karfreitag:

Der Mensch hat nicht nur einen Leib, er hat auch eine Seele. Das Reisen mit der Eisenbahn hat der russische Dichter Lew Tolstoi einmal als entseelte Beschleunigung beschrieben. Als eine Art der Fortbewegung, die unseren Körper so schnell von einem Ort zum anderen bringt, dass die Seele nicht zu folgen vermag. Was wohl würde Tolstoi über unsere heutige Welt denken?

Zweifellos hat die Beschleunigung seit dem Tod des Dichters vor mehr als 100 Jahren enorm zugenommen. Und dabei geht es längst nicht mehr nur um immer schnellere Fortbewegung. Es ist der technische Fortschritt selbst, der unser Leben so stark beschleunigt, dass es uns manchmal schwer fällt, Schritt zu halten. Je schneller sich die Welt um uns herum dreht, desto mehr laufen wir Gefahr, nervöser, unruhiger und ungeduldiger zu werden.

Das Ergebnis können wir jeden Tag in den Medien hören und lesen. Wir nennen das heute "Stress". Das eigene Leben zu entschleunigen, ist längst zu einer Bewegung geworden. Der Mensch von heute sollte wieder lernen, im Gleichklang von Körper und Seele zu leben. Tolstoi hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Seele langsamer reist als unser Körper. Vielleicht ist es Zeit, sanft auf das Bremspedal zu treten, rechts heranzufahren und darauf zu warten, dass die Seele nachkommt. Der Karfreitag ist ein Tag, an dem wir das "Entschleunigen" in die Tat umsetzen können. Aber beileibe nicht nur am Karfreitag, sondern an jedem Sonn- und Feiertag. Ist es nicht mehr möglich, wenigstens einen Tag im Jahr als Ruhetag zu verbringen?

Oder geht es heute nur noch um Event, Vergnügen und eventuell auch um Geld?

Willi Herdegen, 92224 Amberg
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