Karl ist klein und macht sich fein
Fahrbericht Opel Karl Edition 1.0 ecoFLEX

Immer dann, wenn Automobilhersteller merken, dass ihre Autos immer größer und teurer werden, schieben sie kleine Modelle nach, um das verlassene Segment wieder abzudecken. VW hat so dem Polo den Up an die Seite gestellt, und Opel sichert den Corsa jetzt von unten mit dem Karl ab. Den Adam als Lifestyle-Mobil klammern wir hier aus, er sprengt den finanziellen Rahmen. Bei rund 10 000 Euro Einstiegspreis liegt die Schmerzgrenze, wie der Markt zeigt.

Alte Opelianer, die wir alle sind, ziehen wie beim Einlegen des Rückwärtsgangs routiniert am Ring unterhalb des Schaltknaufes, doch - da ist nix. Warum? Weil Karl eigentlich ein Chevrolet Spark ist. Und auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn früher hieß die Marke Daewoo. Ein Koreaner also. Was per se nicht schlecht sein muss.

Opel tut alles, um den Kleinen auf Marken-Niveau zu trimmen. Dem klassenüblichen Hartplastik stellen sie Flächen in Klavierlack-Optik zur Seite, die Sitze sind auch für große Menschen akzeptabel, und die Zahl der verfügbaren Assistenten für diese Klasse bemerkenswert. Auch Smartphone-Anbindung und Opels Online-Dienst Onstar sind drin im Karl (wenn auch gegen Aufpreis).

Der einzig erhältliche, 75 PS starke, Dreizylinder-Motor müht sich redlich, braucht aber Drehzahl, um dem kleinen Opel Feuer zu machen. In der Stadt spielt das keine Rolle, beim Überholen auf der Landstraße bedeutet es fleißiges Schalten. Das Fünf-Gang-Getriebe macht da brav mit. Die Lenkung ist etwas indifferent und für unseren Geschmack zu leichtgängig, zumal sie zusätzlich eine City-Option für noch weniger Kraftanstrengung - zum Beispiel beim Einparken - anbietet. Die an Lenkstockhebeln angeordneten Schalter zeigen die fernöstlichen Wurzeln von Karl mit am deutlichsten, sind aber wohl Gewöhnungssache. Schade, dass Opel dem Karl keine verschiebbare Rückbank spendiert. Diese Variabilität zwischen Passagierraum und Kofferraum ist gerade bei sehr kleinen Autos ein Trumpf. So geht in den Kofferraum ohne Umlegen der Sitze nicht einmal eine handelsübliche Klappbox. Fazit: Der Karl ist eher ein Karlchen, der den Vergleich mit der Konkurrenz aber weder im Preis noch im praktischen Umgang scheuen muss. Beim Wiederverkaufswert, so sagen Experten, liegt er jedenfalls an der Spitze. Michael Ascherl
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