Karrierefaktor Emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz klingt gut. Aber was ist das eigentlich? Und hilft sie einem im Berufsleben? Die Psychologin Prof. Myriam Bechtoldt sieht das ganz nüchtern und hält sie für überschätzt. Aber: Wenn sie fehlt, ist es auch nicht gut.

(dpa/tmn) Ist Emotionale Intelligenz der Schlüssel zum Erfolg im Beruf? Daniel Golemans Bestseller "EQ. Emotionale Intelligenz" hat diese These Mitte der 1990er Jahre populär gemacht. Aber stimmt sie eigentlich? Die Psychologin Myriam Bechtoldt ist da skeptisch.

Es gebe keine Daten, die belegen, dass Emotionale Intelligenz ein entscheidender Karrierefaktor sei, sagt die Professorin für Organizational Behavior an der Frankfurt School of Finance and Management. Emotionelle Intelligenz ist einer ihrer Forschungsschwerpunkte.

Was ist eigentlich Emotionale Intelligenz?

Emotionale Intelligenz hat drei Komponenten. Da ist einmal die Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen: Sie betreten einen Raum und spüren sofort, hier ist gerade etwas passiert, das offensichtlich nicht positiv war. Die Frage ist dann, ob Sie in der Lage sind, mit den Emotionen, die sie wahrnehmen, zielgerichtet umzugehen, also beispielsweise die Stimmung positiv zu beeinflussen. Dann besitzen Sie die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, eine weitere Komponente. Die dritte ist das Wissen darüber, was Emotionen sind - was beispielsweise Eifersucht bedeutet -, bei welchen Anlässen sie entstehen und welche Reaktionen sie hervorrufen. Dieses Wissen hilft, Emotionen regulieren zu können.

Ist Emotionale Intelligenz etwas Gutes?

Sie ist erst einmal ein Werkzeug, das auch zu etwas Negativem eingesetzt werden könnte. Es ist deshalb nicht so, dass die Welt durch Emotionale Intelligenz automatisch besser wird. Man kann sie zum Beispiel auch benutzen, um andere zu manipulieren.

Macht Emotionale Intelligenz einen sympathischer?

Wenn Sie Ihre Gefühle gut kontrollieren, haben andere mehr Lust, mit Ihnen zu kommunizieren, als wenn sie rumpoltern und ihre Launen an anderen auslassen. Und es gibt Studien, die zeigen, dass Vorgesetze von Mitarbeitern positiv bewertet werden, wenn sie Emotionale Intelligenz an den Tag legen, also zum Beispiel die Fähigkeit haben, Gefühle anderer wahrzunehmen und richtig zu verstehen.

Ist Emotionale Intelligenz gut für die Karriere?

Wissenschaftlich gesehen kann man sagen: Ja, aber nicht so stark, wie viele denken. Man kann zeigen, dass Emotionale Intelligenz Führungserfolg wahrscheinlicher macht. Aber auch nicht mehr als andere Persönlichkeitsmerkmale wie Extraversion, also eine offene, nach außen gerichtete Einstellung anderen gegenüber. Die Bedeutung des IQ für den Berufserfolg ist bei weitem höher. Anhand des IQs lässt sich Berufserfolg am besten vorhersagen. Das höchste Karrierepotenzial hat man mit hohem IQ plus hoher Emotionaler Intelligenz.

Verändert sich die Emotionale Intelligenz, wenn man Karriere macht?

Nicht notwendigerweise. Aber je mächtiger die eigene Position, umso niedriger ist die Motivation, sich mit den Emotionen anderer zu beschäftigen, sich Gedanken über sie zu machen.

Lebt man mit Emotionaler Intelligenz gesünder?

Ja, es gibt einen Zusammenhang mit psychischer und physischer Gesundheit. Man profitiert dadurch, dass man mit Stress besser umgehen kann und sich selbst mehr im Griff hat. Wer seine eigenen Gefühle beobachten kann, weiß, wann er die Notbremse ziehen muss, ist zufriedener und gesünder. Es gibt sogar messbare physiologische Auswirkungen: Eine gute Regulation der Emotionen führt zu einer geringeren Kortisolausschüttung und weniger Stress.

Hat Emotionale Intelligenz auch etwas mit dem Alter zu tun?

Unsere Emotionale Intelligenz entwickelt sich vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter. Danach verändern sich die einzelnen Komponenten Emotionaler Intelligenz unterschiedlich. Die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, nimmt ab. Je älter wir werden, umso schwerer fällt es uns, Emotionen bei anderen zu erkennen. Die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, scheint weniger abhängig vom Alter zu sein.

Haben Frauen mehr Emotionale Intelligenz als Männer?

Frauen schneiden bei entsprechenden Tests oft besser ab, insbesondere, was die Fähigkeit betrifft, Emotionen bei anderen zu erkennen. Es gibt eine Studie, die zeigt, dass Mädchen schon als Säuglinge Gesichter länger betrachten als Jungen. Daraus lässt sich aber höchstens schlussfolgern, dass sie sich stärker für Gesichter interessieren, nicht, dass sie von Geburt an eine höhere Emotionale Intelligenz haben.

Kann man seine Emotionale Intelligenz erhöhen?

Ja, natürlich. Sie können auch Ihren IQ innerhalb einer gewissen Bandbreite erhöhen. Mit der Emotionalen Intelligenz ist das genauso.

Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen IQ und Emotionaler Intelligenz?

Ja, gibt es, Emotionale Intelligenz korreliert mit unseren sonstigen kognitiven Fähigkeiten. Allerdings sind die Zusammenhänge mäßig.
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