Kartoffeln sind "Burgi's" Stärke

Familienunternehmen wissen, wo ihre Wurzeln sind. Sie wissen auch, was alles an diesen Wurzeln hängt. Im Falle der "Burgi's GmbH" aus Neumarkt sind es Kartoffeln, auf deren Verarbeitung das Unternehmen spezialisiert ist. Die Verwurzelung in Ostbayern ist Teil der Firmenstrategie, die ganz bewusst auf Regionalität setzt und damit immer besser fährt.

Bayern ist mehr als ein Bundesland, Bayern ist eine Marke. Zu deren Kern gehört so manches, wie Bier, Brezen, ein Radi, Schweinebraten und Knödel. Für letzteres und damit für einen geradezu unverzichtbaren Teil Bayerns sorgt ein Neumarkter Unternehmen, das ganz bewusst auf die Standortfaktoren setzt. Die "Burgi's GmbH" in Neumarkt spielt aber nicht nur mit den Attributen eines bayerischen Familienunternehmens, sie nutzt die regionalen und lokalen Aspekte in vielerlei Hinsicht zum Wohle der Mitarbeiter, der Vertragslandwirte und der Partner, von denen viele über Jahrzehnte mit dem Unternehmen verbunden sind.

Das Bild vom authentischen, regionalen Familienbetrieb ist über Jahre gewachsen, hat allerdings erst in jüngster Zeit richtig Konturen bekommen. "Wir haben uns dahin positioniert", sagt Geschäftsführer Timo Burger. Seit 2011 führt er das Unternehmen gemeinsam mit seiner Cousine Christina Dietmayr. Als "Glücksfall" bezeichnet Burger den Umstand, dass das Unternehmen inzwischen in der vierten Generation von Vertretern der beiden Familien geführt wird, die den Kartoffelspezialisten groß gemacht haben. Allerdings haben er und seine Cousine das Unternehmen umgekrempelt, nachdem sie es 2011 von ihren Vätern übernommen hatten.

Rückbesinnung auf Kartoffeln

"Wir hatten uns verzettelt", erklärt er. Diverse Produktsparten von Leberknödel über Mehlspeisen bis hin zu Kartoffelprodukten wurden unter dem Label "Feinkost" gruppiert. "Feinkost steht für vieles", sagt Burger, "aber für nichts konkret". Der Ursprung des Unternehmens lag woanders. "Omas legendärer Kloßteig" hatte dem Unternehmen seit 1963 zum Wachstum verholfen. Burger und Dietmayr besannen sich auf das, "wovon wir wirklich etwas verstehen". Die Rückbesinnung auf Kartoffeln sei nicht ohne kritische Diskussionen verlaufen, gesteht Timo Burger. Aus heutiger Sicht war es aber genau der Schachzug, der "Burgi's" auf die Überholspur gesetzt hat.

Heute beschäftigt "Burgi's" in Neumarkt 110 Mitarbeiter. Im benachbarten Mühlhausen steht das Kartoffellager. Ein Viertel des gesamten Jahresbedarfs lagert "Burgi's" dort. Der Rest kommt je nach Erntezeit entsprechend versetzt im Unternehmen an oder wird bei den rund 75 bayerischen Landwirten gelagert, die als Vertragspartner in einem Radius von etwa 70 Kilometern rund ums Unternehmen verstreut sind. Sie sind seit 25 Jahren in zwei Erzeugergemeinschaften organisiert. "Qualität beginnt bei uns auf dem Acker" lautet einer der Slogans, mit denen "Burgi's" wirbt. Für den Landwirt heißt das, "dass jede Fuhre von uns bonitiert wird", wie Burger erklärt.

Hierfür zieht ein unabhängiger Prüfer eine Probe. Ist diese frei von Fäulnissen, Schädlingen oder Transport- beziehungsweise Lagerungsschäden, erhält der Landwirt einen Bonus.

Stabile Beziehung

"90 Prozent der Ware ist in höchster Qualität", berichtet der Firmenchef zufrieden. Was aber, wenn es mal nicht so ist? Wenn ein völlig verregneter Sommer zu Ernteeinbußen führt? Dann zeigt sich der Vorteil einer stabilen Beziehung zu einem Familienunternehmen: "Das Schlimmste, was man machen kann, sieht so aus, dass man den Landwirt mitsamt seiner Ladung vom Hof schickt". Burger spricht vom "Wettbewerb um die Fläche".

Ihm liegt viel daran, dass die Landwirte nicht nur für Biogas-Anlagen produzieren. "Hört ein Landwirt mit dem Anbau von Kartoffeln auf", sagt er, "geht oft über Jahrzehnte gewachsenes Know-how verloren". Entspricht daher die Ernte nicht den Kriterien, hilft "Burgi's" bei der Weitervermarktung der Ware.

Thüringen und Sachsen

Der gute Kontakt zu den Landwirten in der Region ist Teil der Firmenstrategie. Mit ihnen wird ein Erntedankfest gefeiert, wenn alle drei Jahresernten eingefahren sind. Der Verkauf der "Burgi's" Produktpalette erfolgt dann bundesweit, vor allem aber in Bundesländern, in denen der Verzehr von Kartoffelknödel traditionell eine große Rolle spielt. Neben Bayern seien das Thüringen und Sachsen.

In Neumarkt fühlt sich das Unternehmen äußerst wohl. Was einst auf der grünen Wiese stand, floriert heute inmitten eines Wohngebietes. "Das ist für unsere Mitarbeiter ein Vorteil", sagt Burger. "Viele kommen mit dem Rad in die Arbeit."

Die Zusammenarbeit mit der Stadt schätzt der Firmenchef sehr. "Als Kartoffel verarbeitender Betrieb fällt bei uns viel Abwasser an, das wir in die städtische Kläranlage leiten können", sagt Burger. Die Kläranlage nutze selbiges zum Ausgleich für die chemischen Abwässer. "Das ergänzt sich gut."

Vieles ergänzt sich offenbar gut rund um die kleinen Knollen, die für alle Beteiligten, nicht zuletzt aber für die Konsumenten Gold wert sind.
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