Kleines Paradies nicht zerstören
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Vergnügungszone statt Kurpark" vom 1. August, in der eine mögliche Umgestaltung des "Tals der Ruhe" beschrieben wird, äußern sich zwei Leserinnen:

Nun soll also eines der letzten, naturnahen Naherholungsgebiete der Marktgemeinde verschwinden beziehungsweise umgestaltet werden. Der Ort, wo man auch bei größter Hitze genügend schattige Wege findet, um zu joggen, zu walken oder auch nur spazieren zu gehen. Auf einem der vielen Bänke die Ruhe zu genießen und Kraft zu tanken.

Ich könnte endlos die Vorzüge des "Tals der Ruhe" aufzählen. Die kleine Lösung mit Renovierung des Kiosk-Bereichs, Restaurierung der vorhandenen Anlagen wie Streichelzoo, Bänke, Kneippbecken wäre akzeptabel. Als wir aber die Maßnahmen der großen Lösung lasen, standen uns die Haare zu Berge. Hier werden bewusst vom Bürgermeister die Verhältnisse dramatisiert. In die Fledermauskeller werde Müll gekippt? Wie das funktionieren soll, soll er erst einmal vormachen, wo doch alle Keller mit Stahlgittertüren abgesperrt sind. Bei einzelnen durch die Gitter geworfenen Papiertaschentüchern oder Dosen kann von Müll abkippen ja wohl keine Rede sein.

Für das Abholzen des Fichtenbestandes führte er Sicherheitsgründe aufgrund eines Unfalls wegen eines herabstürzenden Astes an. Weil ein Ast herabfällt - warum auch immer - soll ein Waldstück abgeholzt werden, das meiner Schätzung nach rund 300 Mal 200 meter groß ist? Lächerlich! Vielleicht ist man eher am Holzverkauf interessiert.

Außerdem soll das Tal durch das Abholzen freundlicher werden? Gerade dieser Fichtenwald hat einen besonderen Reiz. Wer einmal am frühen Morgen oder in der Dämmerung auf dem Weg durch ihn hindurch gegangen ist, wird verstehen, was wir meinen.

Mehr als fragwürdig erscheinen auch die Pläne auf dem Grillplatz. Die Wasseranbindung wäre ja noch okay. Allerdings halten wir es für falsch, die Naturbühne, die auch jährlich für das Kindertheater genutzt wird, zu zerstören, indem man den Steinbruch zu einer Kletterwand macht. Was ist hier eigentlich mit dem Sicherheitsaspekt? Der Architekt und der Bürgermeister sollten sich einmal überlegen, ob eine Kletterwand nicht an der Außenwand der Schule sinnvoller wäre.

Es wurden auch die Neugestaltung der Wege, ein Beleuchtungskonzept und eine künstlerische Gestaltung der Möblierung zur Sprache gebracht. Müssen wirklich Holzbänke in der Natur "verschönert" werden? Warum soll man die Wege auch noch beleuchten? Wenn ich eine gewöhnungsbedürftige Beleuchtung sehen will, fahre ich nach Weiden in den Max-Reger-Park.

Auch von Eintrittsgeld wurde gesprochen. Ich frage mich, wie viele der unzähligen Wochenend-Besucher oder Rentner, die ihre Fahrt zum Einkaufen und Tanken in Tschechien mit einem abschließenden Besuch im Kurpark krönen, gerade weil dieser noch so naturbelassen ist, wiederkommen werden. Auch im Hinblick darauf, wenn sie Eintritt zahlen müssen, um dann in eine künstliche Parklandschaft zu gelangen.

Der überwiegende Teil der Kurparkbesucher kommt doch nur, um das zu genießen, was das "Tal der Ruhe" jetzt darstellt: ein wunderschönes Fleckchen Natur. Wir besuchen den Kurpark täglich. Bei jeder Jahreszeit und jedem Wetter. Wir können die Zeitungsleser nur einladen, sich selbst ein Bild zu machen.

Auch die Zuschüsse, die besonders hervorgehoben worden sind, sollte man einmal von einer anderen Seite betrachten. Denn bei 50 Prozent Zuschuss muss die Gemeinde immer noch die anderen 50 Prozent selber tragen. Zum Schluss mein Appell an die Verantwortlichen: Stoppt diesen Irrsinn, ein kleines Paradies zu zerstören.

Helene Schmid undChristine Meindl, Moosbach

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