Knackiger Name für die Tschechische Republik
„Cesko“ macht die Tschechen froh

Recht verlassen liegt der Grenzübergang Hermannsreuth bei Bärnau (Kreis Tirschenreuth). Archivbild: Thomas Schaller

Amtlich heißt der Staat zwischen Moldau, Elbe und Oder einzig und allein Tschechische Republik. Das ist selbst den Politikern des Landes zu sperrig. "Cesko" lautet das neue Zauberwort.

Prag. Man hatte es schon nicht mehr für möglich gehalten: seit Beginn der Eigenstaatlichkeit 1993 suchte die Tschechische Republik (Ceská Republika) nach einem offiziellen Kürzel - und der Rest Europas amüsierte sich, dass sie keines fand.

Künftig soll das Nachbarland kurz und schmerzlos "Cesko", auf Deutsch "Tschechien", heißen. Nicht der erste Versuch. Angeblich war es das österreichische Fernsehen, dass der Tschechischen Republik in der Nacht zum 1. Januar 1993 dieses Kürzel verpasste. Im Lateinischen benutzte man diesen Begriff jedoch erstmals schon 1634, im Englischen seit dem 18. Jahrhundert.

Nur für die Böhmen


Nur: den Tschechen passte das nicht. Das tschechische "Cesko" steht nämlich auch für Böhmen. Und Böhmen ist nur ein Teil des Nachbarlandes, wenngleich der größte. Doch da fühlten sich die Mährer und die Schlesier benachteiligt. Die waren eh schon in alten tschechoslowakischen Zeiten sauer. Damals gab es eine zweigeteilte Hymne, zwischen dem tschechischen und dem slowakischen Teil war eine kleine Pause. "Die ist für Mähren", spotteten seinerzeit die Böhmen.

Der große Aufruhr ist aber nicht mehr zu verspüren. In den tschechischen Medien und im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich "Cesko" längst eingebürgert. Kein Tscheche sprach im Alltag von der Tschechischen Republik, wie ja auch kein Franzose von der Republik Frankreich, kein Däne vom Königreich Dänemark oder kein Deutscher von der Bundesrepublik Deutschland spricht.

Mit dem offiziellen Namen Tschechische Republik gab es wegen dessen Länge immer ein paar Probleme. Das bekamen vor allem die Sportler zu spüren. Als die Eishockeyspieler 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano Gold holten, kurvten sie mit der Aufschrift "Czech" über das Eis. Diesen Begriff gibt es sprachlich überhaupt nicht. Später liefen tschechische Sportler englischsprachig als "Czech team" (Tschechische Mannschaft) auf, was aber auch nur wenig kürzer als "Czech Republic" war.

Probleme bei Messen


Peinlich war der fehlende Kurzname bei internationalen Messen oder auch in der Geschäftswelt. Für Messestände, auf denen man auch nicht endlos Platz für Namen hatte, suchte man immer vergeblich nach einem Kürzel. "Die Ärmsten, die zur Messe nach Brno (Brünn) fuhren, riefen regelmäßig ratlos an unserer Fakultät der Brünner Masaryk-Universität wegen eines Kurznamens an", erzählt der Sprachwissenschaftler Rudolf Srámek. "Noch peinlicher war es bei der Benennung der Herkunft von Produkten. Jeder kann etwas mit 'Made in Germany' anfangen. Aber niemand etwas mit 'Hergestellt in der Tschechischen Republik'. Also fragte man uns ständig, wie wir als Land eigentlich heißen."

Auf Deutsch "Tschechien"


Die Anmeldung des Kurznamens bei den Vereinten Nationen erfolgt übrigens immer in der englischen Version, die danach weltweit gilt. Von ihr werden dann die Begriffe in den anderen Sprachen abgeleitet. Auf Englisch heißt die Tschechische Republik künftig kurz "Czechia" auf Französisch "Tchéquie" auf Spanisch "Chequia" und auf Deutsch wie bisher schon "Tschechien".

Der alte Begriff "Tschechei" ist bei den Nachbarn nicht eben wohl gelitten. Er erinnert zu sehr an die von den Nazis geprägte Wortschöpfung "Rest-Tschechei", nachdem sich die Slowakei 1939 unter dem Druck Hitlers von den Tschechen abgetrennt hatte.

Kleider schon genäht


Heute wollen die Politiker in Prag die Kurzformel offiziell absegnen. Ob die Olympiakader der Tschechen in Rio de Janeiro schon als "Czechia" auflaufen ist aber ungewiss. Angeblich sind die Wettkampfkleider allerdings schon genäht.
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