Knirps zum Knuddeln

Wenn auch als City-Car konzipiert, auf der Landstraße macht der neue Twingo eine gute Figur. Ein Wendekreis von lediglich 8,6 Metern ist rekordverdächtig. Bild: Renault

Mit seinen blinzelnden Kulleraugen und dem revolutionären One-Box-Design hat der Twingo einst nicht nur Frauenherzen im Sturm erobert. Den aktuellen Nachfolger hat Renault komplett umgekrempelt. Die Knutschkugel ist jetzt ganz smart.

Was war das für ein Aufsehen, als der französische Charmebolzen 1993 auf den Markt rollte und mit seinem schicken Äußeren für Furore sorgte? Der Wettbewerb hinkte lange hinterher und eilte dann davon. Jetzt holt Renault den Geist der 90er Jahre zurück. Zum Knuddeln soll der Knirps wieder sein. Knuffig und kompakt ist er allemal. Einer mit knackigen Proportionen, sympathisch, eher freundlich als frech. War der direkte Vorgänger eher gesichtslos, soll der Neue mit seinen kunterbunten (Blech-)Kleidern zum Gesicht in der Menge werden.

"Sex sells" gilt halt auch im Autogeschäft. Das praktizieren mit kessen Kurven und flotten Farben schon Fiat 500 und Opel Adam. Der Twingo steht da nicht nach, setzt mit seiner Technik sogar noch eins drauf. Nix mehr Frontantrieb. Der Motor ist ins Heck gewandert, findet unter dem Boden des Gepäckraums Platz. Unter der Vorderhaube sind Batterie und die Behälter für Kühl- und Bremsflüssigkeit und Scheibenwaschanlage zu finden.

Statt zwei Türen sind es jetzt deren vier, wobei sich die hinteren über verborgene Griffe am Fenster öffnen lassen. Wie beim Mercedes Smart, dem Zwillingsbruder des Twingo, der in den nächsten Tagen seine Neuauflage feiert und ebenfalls auf Twingo-Basis baut. Beide laufen im Werk Novo Mesto vom Band.

Obwohl der fröhliche Franzose mit seinen 3,59 Meter um zehn Zentimeter geschrumpft ist, ist der Radstand um satte 13 Zentimeter gewachsen. Das sorgt für reichlich Raumgefühl. Vorne haben auch lange Lulatsche keine Berührungsängste, hinten ist es etwas knapp, aber immer noch ausreichend. Der Kofferraum hat dem neuen Heckmotor-Konzept ein paar Liter schenken müssen, und auch die Rückbank lässt sich nicht mehr verschieben. Dafür machen ein paar clevere Lösungen den City-Flitzer zum Einkaufswagen. Die hinteren Polster lassen sich umlegen, die Lehne des Beifahrersitzes auch - das reicht dann für das berühmte Ikea-Regal, solange es nicht 2,31 Meter übertrifft. Jedenfalls fasst das Gepäckabteil zwischen 219 und 980 Liter. Dazu kommen noch 52 Liter intelligent im Fahrzeug verteilte Stauflächen, die sich auch herausnehmen lassen. Der Innenraum des Viersitzers lässt alle möglichen Farbspiele an Armaturen, Einfassungen und Blenden zu.

Der neue Twingo startet mit zwei Dreizylindern, die aus einem Liter Hubraum 71 PS (91 Newtonmeter) mobilisieren. Der Sauger begnügt sich mit 4,5 l (105 g CO2/km, Euro 5)). Mit Start & Stop-Automatik sind es gar nur 4,2 l (95 g/km, Euro 6)). Top-Motorisierung ist der von Clio und Capture bekannte Turbo mit nur 900 ccm Hubraum und 90 PS (135 Nm), der mit 4,3 l (99 g/km, Euro 6) auch noch zu den Knausern gehört.

Der Twingo steht in drei Ausstattungsvarianten zu Preisen zwischen 9590 und 13 590 Euro bei den Händlern. Vier Airbags, ABS, EBV und ESP sowie Berganfahrhilfe sind immer an Bord. Je nach Ausstattung gibt es dann Einparkhilfen, Spurwarner, Rückfahrkamera und Multimediasysteme mit Smartphone-Bedienung. Und mit einem riesigen Faltschiebedach nimmt der Franzose den Himmel an Bord.
Weitere Beiträge zu den Themen: Auto und Verkehr (395)Renault Twingo (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.