Knotenpunkt der Firma

Von der Metallverarbeitung bis zum Automobilbau: Industriekaufleute gibt es in vielen Branchen. Sie kümmern sich um Einkauf, Lagerung oder Personal. Und das ist nur ein Teil ihrer Aufgaben. Wer es vielseitig mag, hat hier Spaß.

(dpa/tmn) Planen. Steuern. Kontrollieren. "Das habe ich schon immer gern gemacht", sagt Patricia-Julia Pawlak. Die 26-Jährige beschreibt sich als "kleine Organisationskönigin". Und dieses Talent lebt sie in ihrem Beruf aus. Seit zwei Jahren macht Pawlak eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Deutschen Bahn. Was einige möglicherweise für einen trockenen Job halten, ist Pawlaks Traumberuf.

In vielen Branchen

Der Industriekaufmann ist einer der am häufigsten gewählten Ausbildungsberufe in Deutschland. Mit 18 951 Neuanfängern im Jahr 2013 liegt er laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) auf Platz fünf. Mehr Anfänger gibt es nur bei den Einzelhandelskaufleuten, den Verkäufern, Kfz-Mechatronikern und Bürokaufleuten. "Das liegt auch daran, dass die Fachleute in vielen Branchen im Einsatz sind", sagt Gabriele Jordanski, Expertin für das Thema beim BIBB. Sie sind in der Automobilbranche genauso zu finden wie in der Lebensmittelindustrie oder der Metallverarbeitung.

Dabei übernehmen sie eine Vielzahl von Aufgaben. Sie kümmern sich um den Wareneinkauf. Sie holen Angebote ein, machen die Bestellungen, wickeln die Lieferung ab und sorgen dafür, dass die Lager gefüllt sind. Ein anderer Schwerpunkt der Arbeit ist der Bereich Buchhaltung. Zu ihren Aufgaben gehört weiter das Thema Personal. Auch die Lohn- und Gehaltsabrechnungen können Bestandteil des Jobs sein. Je nach Branche eignet man sich außerdem spezifische Kenntnisse an.

Jugendliche sollten sich klarmachen, dass sie in dem Job häufig viel Verantwortung tragen. Industriekaufleute sind eine Art Dreh- und Angelpunkt im Unternehmen und halten viele Fäden in der Hand, sagt Jordanski. "Man muss ganz schön viel im Blick haben und mit verschiedenen Abteilungen kommunizieren." Pawlak hat vor der Ausbildung lange Zeit gejobbt und konnte so eine Vorstellung vom Beruf bekommen. "Ich wusste, worauf ich mich einlasse und dass ich das will."

Wer die dreijährige Ausbildung zum Industriekaufmann machen will, braucht keinen bestimmten Schulabschluss. 2013 hatten von den Neuanfängern bei den Auszubildenden in der Industrie zwei Drittel (66 Prozent) Abitur, fast ein Drittel (31 Prozent) den mittleren Bildungsabschluss und der Rest einen Hauptschulabschluss oder gar keinen Abschluss. Pawlak hat einen Realschulabschluss. An den Tag, als sie die Zusage von der Deutschen Bahn bekam, kann sie sich noch genau erinnern. "Das war Gründonnerstag", erzählt sie. "Ich hab mich unendlich gefreut."

Von Marketing bis Logistik

Personaler achten bei den Zeugnissen auf gute Noten in Mathe, Deutsch und, wenn es das Fach an der Schule gab, in Wirtschaft. Je nach Einsatzgebiet und Branche werden auch gute Englischkenntnisse gebraucht, erzählt Jordanski. Im Betrieb durchlaufen die Jugendlichen alle Abteilungen, in denen sie später arbeiten können. Dann spezialisieren sie sich etwa auf Marketing, Vertrieb, Logistik oder Personalwirtschaft. "Dafür schlägt mein Herz", erzählt Pawlak. Während ihrer Ausbildung hat sie den Einstellungsprozess der neuen Azubis von Anfang bis Ende betreut.

In der Berufsschule stehen Themen wie Jahresabschluss oder Personalwirtschaft auf dem Stundenplan. Wollen Jugendliche den Beruf ergreifen, sollten sie gerne kommunizieren. Die Jugendlichen starten laut Bundesarbeitsagentur im ersten Lehrjahr mit einer Vergütung von rund 830 Euro. Das gilt zumindest dann, wenn sie, wie häufig in der Industrie, nach Tarif bezahlt werden. Ist das nicht der Fall, wie im Handwerk, kann es auch deutlich weniger sein. Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 1800 Euro. Die Chancen auf Übernahme nach der Ausbildung sind derzeit gut, sagt Paul Ebsen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Auch Pawlak wird nach der Ausbildung bei der Deutschen Bahn bleiben können - in ihrem Lieblingsbereich, der Personalbetreuung.

Wenn man Pawlak nach den Nachteilen ihres Jobs fragt, fallen ihr im ersten Moment keine ein. Nach kurzem Zögern sagt sie: "Na ja, es ist natürlich nicht immer der kreativste Beruf der Welt." Manchmal müsse sie die Spaßbremse spielen, denn schließlich gilt es immer, die Kosten im Blick behalten. "Da muss man anderen schon mal auf die Finger klopfen, wenn es zu teuer wird."

Studium im Anschluss

Wer sich nach der Ausbildung weiterqualifizieren will, kann eine Aufstiegsweiterbildung zum Industriefachwirt machen, sagt Jordanski. Wer die Hochschulzugangsberechtigung hat, kann einen Bachelor zum Beispiel in Wirtschaft in Betracht ziehen. Diese Chancen schätzt auch Pawlak ganz besonders. "Man sagt immer, Industriekaufleute haben das Fundament des BWL-Studiums", sagt sie. Auch sie überlegt, irgendwann an einer Fachhochschule noch ein solches Studium mit dem Schwerpunkt Dienstleistungsmanagement dranzuhängen.

Wenn Pawlak an ihre Ausbildung zurückdenkt, ist ihr vor allem eine Sache in Erinnerung geblieben: In einem Geschäftsfeld bekamen die Azubis die Unternehmenskleidung erst nach einigen Tagen. Das fiel Pawlak auf. "Das ist schade, da fühlt man sich gar nicht direkt zugehörig." Da dachte Pawlak, man müsse was unternehmen und änderte es. "Das ist mein eigenes kleines Baby."
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