Kölner Karnevalisten trotzen der Witterung
Stürmisches Karnevalfinale

Das "Alaaf" in "Kölle" kommt fast trotzig rüber: Nicht nur die Politik, auch die Narren mussten an diesem Tag Gegenwind aushalten. Bild: dpa

Pustekuchen am Rosenmontag: Die Kölner Karnevalisten trotzen der Witterung, aber in Hochburgen wie Düsseldorf und Mainz fiel der Höhepunkt der närrischen Zeit aus. Die Umzüge wurden wegen des Sturmtiefs "Ruzica" vorsorglich abgesagt.

Köln/Düsseldorf/Hirschau. (dpa/upl) Eine Sturmwarnung hat vielen Narren an Rosenmontag erstmals seit 25 Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Während aus Sorge vor orkanartigen Böen einige traditionelle Umzüge nicht stattfanden, setzte sich in Köln pünktlich um 10 Uhr der größte deutsche Karnevalszug in Bewegung, allerdings ohne die üblichen 500 Pferde, große Figuren oder Fahnen in den Fußgruppen. Die Jecken wurden belohnt: Der Regen hörte auf, die Sonne kam durch.

"D'r Zoch kütt" doch noch


Der Frohsinn hat es wirklich nicht leicht. In Köln heißt das Karnevalsmotto "Mer stelle alles op der Kopp" - Wir stellen alles auf den Kopf. Passender wäre wohl "Trotz alledem!" gewesen. In Köln heißt es tapfer "d'r Zoch kütt" - statt "der Sturm kommt". Trotz Wetter und der akuten Sicherheitsdiskussion wird geschunkelt, gebützt, gefeiert und gelacht.

Enttäuschung dagegen in Düsseldorf. Betroffen von der Absage war auch der Musikzug Hirschau (Kreis Amberg-Sulzbach), der heuer zum 40. Mal beim Umzug mitmarschiert wäre. "Am Morgen haben wir noch gar nichts von dem Unwetter bemerkt", erzählte Dirigentin Annette Pruy-Semsch. Nach dem Frühstück war dann aber klar, dass die Gaudi ins Wasser fällt. Die Hirschauer nahmen es mit Humor. Sie wählten bewusst 11.11 Uhr als Zeitpunkt für ihre Abreise aus der Karnevals-Hochburg. "Unter den Düsseldorfer Jecken verbreitete sich das Gerücht, dass die Wetterprognosen von Meteorologen aus Köln stammen", sagte Musikzug-Vorsitzender Werner Stein.

Die "zuglosen" Düsseldorfer konnten sich vor dem Rathaus die Wagen zumindest ansehen. Sie sind seit Jahren für ihre satirische Schärfe berühmt. Auch diesmal wurde Figurengestalter Jacques Tilly (52) seinem Ruf gerecht. So thematisierte ein Wagen die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht: Eine Frau hat zwei Männer an einer Rakete festgebunden und schießt sie geradewegs zum Mond. "So schön wird das nächste Silvester", heißt es dazu. Die Absagen drücken nicht nur auf die Stimmung, sondern auch auf den Geldbeutel. Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Volker Wagner, sagte: "Nicht alle Zugteilnehmer sind gegen einen Ausfall versichert."

Keine Nachholtermine


Aus mehreren Städten wurden Überlegungen zu Nachholterminen für die Umzüge laut. Der BDK sieht das skeptisch. "Es gibt grundsätzlich die Regelung, dass außerhalb der Fastnachtszeit keine karnevalistischen Veranstaltungen stattfinden sollen", sagte Vizepräsident Peter Krawietz. Das Fest sei "eingebettet in den christlichen Jahreskreis" und finde unmittelbar vor der Fastenzeit statt. "So bitter es ist, man kann nicht sagen, aus irgendeinem Grund fällt Weihnachten aus, also holen wir das irgendwann nach."
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