Kommentar von Albert Franz
Bahn, Post, Erzieher: Die Tarifautonomie ist nicht schmerzfrei

Neue Nachrichten von Sisyphus. Karikatur: Tomicek
Angenehm ist das nicht: Seit Tagen kommt die Post nur scheibchenweise. Seit Wochen ist kein Verlass auf die Kinderbetreuung. Und bei der Bahn endet am Mittwoch schon wieder die Friedenspflicht, wenn die Schlichter nicht noch eine Ehrenrunde drehen und um eine Woche verlängern.

Die drei Tarifkonflikte sind sehr unterschiedlich gelagert. Bei den Erziehern geht es um die Wertschätzung des Berufes überhaupt, bei der Post darum, wie man sich am besten behauptet gegenüber der privaten Billigkonkurrenz. Und selbst bei der Bahn geht es nicht nur um das Ego von GDL-Chef Claus Weselsky, sondern um das Überleben der kleinen, aber schlagkräftigen Truppe der Lokführer-Gewerkschaft, die sich auch für Zugbegleiter und Bordgastronomen zuständig fühlt. All das sind wahrlich keine Kleinigkeiten. Deshalb wird so erbittert gekämpft, deshalb werden Eltern, Post- und Bahnkunden als "Geiseln" genommen.

Die Gesellschaft muss das aushalten. Weil es keinen besseren Weg als die Tarifautonomie gibt, um einen fairen Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen. Bei der Bahn und den Erziehern ist die Lage bereits so verfahren, dass die Schlichter das Wort haben. Auch die Streithähne bei der Post werden früher oder später vor dem Schlichter landen. Schmerzfrei ist dieses Verfahren nicht. Aber Deutschland ist damit bisher gut gefahren.

albert.franz@derneuetag.de
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