Kommentar von Albert Franz
Bodo Ramelow - ein Regierungschef auf Bewährung

Kellergeister. Karikatur: Tomicek
"Rote Socken", SED-Sozialismus, Stasi-Regime, Unrechtsstaat DDR - natürlich musste das hochkochen vor der Wahl des ersten Ministerpräsidenten der Linken. Vergangenheit lässt sich nicht einfach so entsorgen.

Bei aller Aufregung ist Thüringen wieder einmal Anlass, ein Loblied auf den Föderalismus zu singen. Er lässt Experimente zu, ohne das Risiko ins Unermessliche steigen zu lassen. Genauso haben sich die Väter des Grundgesetzes das auch gedacht. In den Länderparlamenten sind schon viele politische Kräfte entzaubert worden - ob Republikaner, DVU, die Schill-Partei oder die Piraten. Die wenigsten kamen überhaupt bis in die Staatskanzlei. Und der Sprung von der Oppositionsbank in die Regierung ist manchen nicht gut bekommen.

Nichts also ist unmöglich, auch in Thüringen nicht: Bodo Ramelow kann Rot-Rot-Grün schon in wenigen Monaten um die Ohren fliegen. Dass ihm im ersten Wahlgang eine Stimme fehlte, war Warnschuss genug. Knappe Mehrheiten sind aber nicht zum Misserfolg verdammt, sie können auch zusammenschweißen. Dazu müsste es Ramelow gelingen, seinen bunten Haufen im Zaum und die Partner bei Laune zu halten. Der Erfolgsdruck ist groß. Und eine Empfehlung für den Bund wird die Koalition in Thüringen sowieso nur sein, wenn sie nicht nur hält, sondern auch ordentliche Politik abliefert. Ramelows Entschuldigung an die Adresse der SED-Opfer war zumindest ein ordentlicher Anfang.

albert.franz@derneuetag.de
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