Kommentar von Albert Franz
Das Format der Mega-Gipfel ist überholt

Engpass. Karikatur: Tomicek
Oberbayern im Ausnahmezustand. Rund 7000 Menschen zählt allein der Tross des G7-Gipfels, dazu bis zu 17 000 Polizisten. Und noch ist völlig ungewiss, ob es bei den Demonstrationen und ProtestCamps - so sie denn die Gnade der Gerichte finden - friedlich bleiben wird. Aus Furcht vor Ausschreitungen schließen viele Geschäfte in Garmisch-Partenkirchen, manche verbarrikadieren ihre Schaufenster.

So groß die Ehre für Bayern ist, diesen Gipfel auszurichten, so fragwürdig ist diese Mammutveranstaltung letztlich auch. Und das nicht nur wegen der Kosten, ob sie sich nun auf 130 Millionen Euro belaufen, wie es die offizielle Lesart der Staatsregierung ist, oder auf 360 Millionen Euro, wie es der Bund der Steuerzahler herausgefunden haben will.

Fragwürdig ist das Spektakel längst auch politisch - weil man nicht mit-, sondern vor allem übereinander spricht. Das ist zumindest im Falle Putin so, den die G7 wegen der Krim-Annexion kurzerhand ausgeladen haben.

Vielleicht nutzen die G7-Staatschefs und ihre Sherpas den Gipfel also auch, um zu beraten, ob dieses Format wirklich noch zeitgemäß ist. Persönliche Gespräche sind immer wertvoll. Aber bei diesen Giganten-Treffen steht der Aufwand schon lange in keinem Verhältnis mehr zu den Erträgen. Und was zu besprechen ist, ließe sich vermutlich genauso gut auf einer Videokonferenz erörtern.

albert.franz@derneuetag.de
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