Kommentar von Albert Franz
Der närrische Optimismus der Hütchenspieler

Angela Merkel. Karikatur: Tomicek
Die Börse ist selten ein Hort der reinen Vernunft. Meistens geht es mehr um Träume und Befürchtungen - um Wetten auf die Zukunft eben, getarnt als Gewinnerwartungen, die sich in Cent und Euro auszahlen - oder auch nicht. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch jetzt gerade wieder die Fantasie mit den Anlegern durchgeht.

Denn so richtig nachvollziehbar ist der Optimismus, der den Dax gerade über die Marke von 11 000 Punkten getrieben hat, nicht. Trügerisch ist nicht nur die Hoffnung, dass die Befriedung der Ukraine gelingt. Trügerisch und windelweich sind auch die Hoffnungen, dass die Euro-Länder und Athen das griechische Schuldenproblem in den Griff bekommen.

Es ist eben nicht damit getan, das Wort "Troika" durch "die Institutionen" zu ersetzen. Recht viel mehr ist bisher aber nicht passiert im Ringen um die mehr als 300 Milliarden Euro schwere Schuldenlast. Alexis Tsipras ist gut in Versprechungen, im Kampf gegen Steuerflucht und Korruption aber sind schon andere gescheitert.

Was die Börse wirklich nach oben treibt, sind längst nicht mehr die Gewinnerwartungen der Realwirtschaft oder die Zuversicht als solche, sondern der schlichte Mangel an Anlagealternativen. Die Europäische Zentralbank überschwemmt die Märkte mit billigem Geld, die Reichen werden immer reicher - und weder institutionelle Anleger noch die privat Vermögenden wissen noch, wohin mit dem Ersparten. Bisher zahlen die Normalbürger dieses Hütchenspiel über Mini-Zinsen auf der Bank und die schleichende Entwertung ihrer Altersvorsorge. Schon das ist nicht billig. So richtig teuer aber wird es erst, wenn die närrische Blase platzt.

albert.franz@derneuetag.de
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