Kommentar von Albert Franz
Die "Landlust"-Nostalgie ist weit weg von der Realität

Wenn Ärzte Fehler machen ... Karikatur: Tomicek
Auf den ersten Blick passt es nicht so recht zusammen: Die "Landlust", das Lifestyle-Magazin für den Städter, der die ländliche Idylle und Beschaulichkeit liebt, hat nach einem beispiellosen Siegeszug inzwischen eine verkaufte Auflage von 1,065 Millionen Exemplaren. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, nach dem jüngsten Agrarbericht auf 1,02 Millionen Menschen gesunken. Es gibt also inzwischen mehr "Landlust"-Leser als Menschen, die das Landleben aus erster Hand kennen.

Der kleine Widerspruch lässt sich schnell aufklären. Der Städter hängt einer ländlichen Idylle nach, die es so längst nicht mehr gibt. Aus der Landwirtschaft ist ein Wirtschaftszweig wie jeder andere geworden, durchrationalisiert, industrialisiert und reglementiert bis in den letzten Winkel. Statt Beschaulichkeit herrscht der nackte Kampf ums Überleben, um Ackerflächen, um Produktivität. Die Devise "Wachsen oder Weichen" ist heute so aktuell wie in den 70er Jahren, nur wird die Zahl derer, die noch weichen könnten, immer kleiner. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt sieht eine "holprige Wegstrecke" auf die Bauern zukommen. Recht hat er. Und das auch, weil sich die Entfremdung zwischen Erzeugern und Verbrauchern zu einem Imageproblem auswächst. Und dagegen hilft leider auch keine "Landlust"-Nostalgie.

albert.franz@derneuetag.de
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