Kommentar von Albert Franz
Ein gemeinsames Haus Europa gibt es nicht ohne Russland

... und nach den Festtagen: Sport macht schlank! Karikatur: Tomicek
Deeskalation sieht anders aus. Die Ukraine würde lieber heute als morgen unter den Schutzschirm der Nato schlüpfen. Prompt ändert Russland seine Militärdoktrin und begreift den Drang der Nato nach Osten nun auch formell als Bedrohung.

Neue Feindbilder statt Entspannung. Die Reihe der Fehleinschätzungen setzt sich damit fort. Es war ein Fehler, die Ukraine vor die Wahl zwischen Ost und West zu stellen. Das zerrissene Land war dazu einfach nicht reif. Und es war ein Fehler zu glauben, dass Russland einen Westkurs der Ukraine einfach hinnehmen würde. Und schon sind Washington, Brüssel und Berlin dabei, den dritten Fehler zu machen: Schulterzuckend schaut man zu, wie Russland in den Ruin stürzt, wegen der Talfahrt des Ölpreises, aber auch wegen der westlichen Sanktionen.

Noch unklar ist die Rolle, die Angela Merkel bei alledem spielt. Das britische Renommee-Blatt "The Times" hat sie zwar wegen ihrer Vermittlerrolle zwischen Ost und West zur "Person des Jahres 2014" gekürt. Tatsächlich ist der Kanzlerin hoch anzurechnen, dass sie den Gesprächsfaden nie hat abreißen lassen. Zu fragen ist aber auch, was sie denn erreicht hat in den unzähligen Telefonaten mit Putin und dem stundenlangen Gespräch am Rande des G20-Gipfels in Brisbane. Ja, Putin lebt längst in einer anderen Welt. Aber auch, weil die USA, die EU und die Nato schon lange so tun, als ob Russland im gemeinsamen Haus Europa nicht mehr gebraucht wird.

albert.franz@derneuetag.de
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