Kommentar von Albert Franz
Erst "produktive Undeutlichkeit", dann der klare Schnitt

Frechheit siegt! Karikatur: Tomicek
"Produktive Undeutlichkeit." Die Wortschöpfung des griechischen Finanzministers Gianis Varoufakis hat gute Chancen, auf einem der vorderen Plätze der Hitliste der "Unwörter des Jahres 2015" zu landen. Dabei beschreibt der Athener Schuldenverwalter nur, wie gerungen wurde, um die Zusagen Griechenlands im Kampf um die Verlängerung des Hilfspakets. Nur nicht zu konkret werden - das war offenbar nicht nur die Devise der griechischen Verhandlungsführer, sondern auch der Euro-Partner. Denn nicht nur die Regierung in Athen, auch andere Euroländer brauchen die Zustimmung ihrer Parlamente.

Längst ist von Nebenabsprachen die Rede. Varoufakis offenbart, dass es ihm bei den vier Monaten Aufschub eigentlich nur darum geht, Zeit zu gewinnen für eine Umstrukturierung der Schulden. Rückzahlung ja, aber nur gekoppelt ans Wachstum. Aus griechischer Sicht ist das vernünftig, den Euro-Partnern aber viel zu wenig.

Niemand wird ernsthaft annehmen, dass Griechenland in vier Monaten die Probleme mit Korruption, Kapitalflucht und staatlicher Unzulänglichkeit in den Griff bekommt. Voraussichtlich schon im Sommer aber benötigen Alexis Tsipras und Co. frisches Geld. Sie werden es nicht mehr bekommen. Weil das Vertrauen schon jetzt dahin ist. Weil auch eine linke Regierung ohne Krawatte und mit losem Hemd nicht zaubern kann. Auf die "produktive Undeutlichkeit" wird bald der klare Schnitt folgen.

albert.franz@derneuetag.de
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