Kommentar von Albert Franz
Hillary Clinton kann nur auf die Fehler ihres Gegners hoffen

Präsidenten-Gattin, knapp gescheiterte Präsidentschaftskandidatin, Ex-Außenministerin - Hillary Clintons Leben sah nie danach aus, als ob sie sich mit der Rolle einer First Lady oder als Nummer zwei hinter wem auch immer begnügen würde. Es ist also nur folgerichtig, dass sie am Sonntag ihren Hut in den Ring wirft - und die erste US-Präsidentin werden will.

Dabei ist auch diesmal ihre Wahl keineswegs sicher. Barack Obama hinterlässt ein zwar noch immer sehr selbstbewusstes Volk, aber doch auch eine sehr verunsicherte Supermacht. Vom "Yes we can" ist wenig geblieben. Zwar haben sich die USA in keine neuen Regionalkriege verwickeln lassen. Der Rückzug aus den Kampfeinsätzen im Irak und in Afghanistan aber war nur das ehrenvoll inszenierte Eingeständnis einer Niederlage. Und der moralische Anspruch, mit dem Obama angetreten ist, hat nicht allzu weit getragen. Der Friedensnobelpreis blieb ein Hoffnungsvorschuss, nicht eingelöst, weil inzwischen Drohnen und Kampfbomber die "schmutzige" Arbeit erledigen. Guantánamo besteht weiter. Nicht einmal den Waffenkult der Amerikaner konnte Obama brechen. Es scheint so, dass das andere Amerika, das Europa sich so gern ausmalt, auf Dauer nicht mehrheitsfähig ist jenseits des Atlantiks. In Zeiten eines neuen Kalten Krieges dürfte Hillary Clinton große Mühe haben, sich als Friedenstaube gegen die Falken zu behaupten. Ihre einzige Hoffnung: Dass ihr republikanischer Gegenkandidat, wenn er denn feststeht, die Großmachtkarte überreizt.

albert.franz@derneuetag.de
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