Kommentar von Albert Franz
Jauch-Nachfolger gesucht: Alles, nur nicht Plasberg

Dinner for one. Karikatur: Tomicek
Wer an seinen Sonntagabenden nichts Besseres vor hat, für den ist die ARD eine sichere Bank. "Tagesschau", "Tatort", "Günther Jauch". Nun hört Jauch zum Jahresende auf. Auf das Warum bleibt er eine echte Antwort schuldig. Was soll er auch sagen? An einer zu geringen Gage wird es kaum gelegen haben. Die ARD lässt sich nicht lumpen, wenn es um Aushängeschilder wie Jauch geht.

Jauch war vor vier Jahren mit hohen Erwartungen gestartet. Die allerdings hat er zügig enttäuscht. Es ist eben doch leichter, Fragen in "Wer wird Millionär?" zu stellen, als hochkomplexe Zusammenhänge in einem einstündigen Polit-Talk zu klären. In den letzten Monaten häuften sich die Fälle, in denen er eher lustlos agierte, mitunter sogar unvorbereitet erschien oder wenig souverän auftrat. Echtes Interesse am Thema und an den Menschen, journalistische Leidenschaft sieht anders aus. Hinzu kam im Hintergrund eine Redaktion, die es mit den journalistischen Grundsätzen nicht so genau nahm. Die Einspieler dienten oft mehr der Provokation als der Aufklärung. Offensichtlichster Missgriff war der aus dem Zusammenhang gerissene Stinkefinger-Mitschnitt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis. Einen umstrittenen Politiker mit Vorwürfen zu konfrontieren ist legitim, daraus eine öffentliche Hinrichtung zu machen, eines Senders wie der ARD nicht würdig. Also: Ersatz für Günther Jauch wird sich finden lassen. Nur bitte nicht den Selbstdarsteller Frank Plasberg.

albert.franz@derneuetag.de
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